Theodosianische Landmauer

Die Theodosianische Landmauer (türk. Teodos II. Suru) ist Teil einer Anfang des 5. Jahrhunderts unter Kaiser Theodosius II. errichteten, etwa 20 Kilometer langen Befestigungsanlage in Istanbul. Sie reicht von der westlichen Hälfte des Goldenen Horns bis zum Marmarameer, wo sich nach Osten die nur in Fragmenten erhaltenen Seemauern anschließen. Durch die Theodosianischen Befestigungsanlagen wurde das gesicherte Stadtgebiet Konstantinopels mehr als verdoppelt. Sie begrenzt die heutige Altstadt mit den Stadtteilen Eminönü und Fatih.

Schon 447 zerstörte ein Erdbeben die Mauer und brachte 57 ihrer Türme zum Einsturz. Innerhalb von zwei Monaten wurde sie höher und stärker neu errichtet. Sie bestand nun aus einem Graben, einer 8,5 Meter hohe Außen- und eine 12 Meter hohe Innenmauer. Im Abstand von 55 Metern wurden 96 Türme von 18 bis 20 m Höhe errichtet. Beim Angriff der Hunnen unter Attila war die Anlage fertig. Er konnte abgewehrt werden, umging Konstantinopel und verwüstete das Weströmische Reich. Das erste und einzige Mal, dass die Landmauer erstürmt wurde, war bei der Belagerung von Konstantinopel am 29. Mai 1453.

Lange Zeit verfiel die Befestigungsanlage – die Bewohner der Gecekondus benutzten sie als Steinbruch. In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde begonnen, sie wieder instand zu setzen.

Grosse Landmauer, Istanbul, Türkei ( 2004, Bild von Johann H. Addicks)

Verlauf

Die Mauer beginnt im Norden direkt neben der heutigen Autobahnbrücke über das Goldene Horn. Die ersten Mauerstücke stammen von Heraklios (627), Leo V. (813) und Manuel I. Komnenos (1143-1180). Außerhalb, direkt an der Mauer steht der Tekfur Sarayı aus Ziegeln und Marmor, ein dreistöckiger Anbau des Blachernen-Palastes, im 13. und 14. Jahrhundert Residenz der byzantinischen Kaiser, der nach der Eroberung Konstantinopels niedergerissen wurde. Etwas weiter südlich, innerhalb der Mauern, befindet sich die Chora-Kirche und direkt hinter dem Edirne-Tor, dem Adrianopel-Tor der Byzantiner, steht auf dem höchsten Punkt der Altstadt die von Sinan entworfene Mihrimah Camii, die Moschee der Lieblingstochter Süleymans des Prächtigen. Hier wird die Landmauer heute von einer Hauptverkehrsstraße (Fevzi PaşaCaddesi) gekreuzt.

Nach Unterbrechung durch eine weitere Hauptverkehrsstraße (Adnan Menderes Caddesi) befindet sich an der dritten (Millet Caddesi) das Tokapı-Tor (Kanonentor), in byzantinischer Zeit Romanos-Tor. Der türkische Name erinnert an die Eroberung Konstantinopels durch Mehmed Fatih 1453, als es durch 600 kg schwere Kanonenkugeln zu Fall gebracht wurde.

Yedikule, die „Burg der Sieben Türme“, liegt – vom Marmarameer durch die Eisenbahnlinie aus Edirne getrennt – direkt an der Mauer. Die Anlage ist teils byzantinischen, teils osmanischen Ursprungs. Ihre Türme sind untereinander durch dicke Mauern verbunden. Den Osmanen diente sie als Kerker, Schatzkammer und Hinrichtungsstätte.

Am Marmarameer endet die etwa 6,5 Kilometer lange Theodosianische Landmauer an der Festung Mermer Kule (Marmorturm). Heute wird sie durch die Küstenautobahn abgetrennt. Die untere Hälfte des 30 Meter hohen Turmes mit einem Durchmesser von 13 Metern ist mit Marmor verkleidet. Der Marmorturm verband die Landmauer mit den Seemauern, die an der Küste nach Osten bis zur Spitze der Halbinsel reichten

Tordurchfahrt in grosser Landmauer Istanbul ( 2004, Bild von Johann H. Addicks)


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