Hades

Hades thronend mit seinem Vogel-gesockelten Stab, auf einer rot-figürlichen Vase, griech. um 400 v. Chr.

Hades (griech. Άδης ; Aides/ Haides – „ungesehen“[1]) bezeichnet in der griechischen Mythologie den Ort der Toten „die Unterwelt“ und zugleich den Herrscher dieser, den „Gott der Unterwelt“.

Mit Hilfe des Fährmannes Charon kann der Fluss Styx bzw. Acheron, der Ober- und Unterwelt voneinander trennt, überquert werden. Weitere, das Totenreich umgebene, Flüsse sind; Kokytos, Pyriphlegethon, der Lethestrom und der vom Acheron gebildete „Acherusische See“.

Odysseus im Hades, John Flaxman

Das Schattenreich

Durch Hermes (als Psychopompos) werden die Toten dem Hades, dem personifizierten Totenreich, bis zur Styx zugeführt. Hier weilen alle Toten als körperlose Schatten. Sie sind in keiner Hölle, obwohl einige dort ewige Strafen erleiden (Sisyphos, Tantalos u.a.). Das trübe Schattenreich Hades war also für alle Sterblichen bestimmt, der eigentliche Strafort in der Unterwelt war der Tartaros (daher auch die volksetymologische Umdeutung des Namen Tataren in "Tartaren", für die mongolische Bedrohung des Abendlandes im Mittelalter). Ferner gab es im Hades noch das Elysion, die Insel der Seligen und den Asphodeliengrund. Sehr wenige (nicht einmal Achilleus), die sich im Leben hoch verdient gemacht haben, wohnen in den Gefilden der Glückseligen und wiederum nur ganz wenige, wirklich auserwählte Menschen wurden von den Göttern gelegentlich auf den Olymp erhoben. Der eigentliche Gott der Gegenwelt zur Erde, der Unterwelt, war der Gott Hades - er wurde später auch als die Unterwelt verstanden. Sein Haus steht jedem, der hinein will, offen, dafür: εἰς Ἅιδου.

Nur langsam drangen Vorstellungen des Weiterlebens nach dem Tode ein (vgl. Orphiker). Platon schafft mit der Vorstellung vom Totengericht eine Neukonzeption.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. erscheint die Sage, dass Hades sich durch Raub der Persephone (alter Name Kore) bemächtigt habe (vgl. Frauenraub), sie aber – nach einem Schiedsspruch von Zeus – jedes Frühjahr ihrer Mutter Demeter für ein halbes Jahr wieder überlassen müsse. Seit dem hat sich das ganze Wesen des Gottes umgebildet. Aus dem durchaus unfruchtbaren Todesgott wird ein die „Saatfrucht aufnehmender“ und „Getreidesegnender“ Gott, aus Hades wird der Reichtumspender Pluton, der als Attribut das Füllhorn führt.

Rituell sucht man in Griechenland dem Tod mit den Kore-Mysterien zu begegnen, in der übrigen griechischen Welt durch dionysisch-orphische Totenpässe.

Den Eingang zum Totenreich bildet eine Kluft die sich am Ende der Welt am Ufer des Okeanos befindet, im Land der Kimmerier, im Hain Persephones aus Pappeln, Erlen und Weiden. Dort stürzen die schwarzen Fluten der beiden Flüsse Pyriphlegeton und Kokytos in die Tiefe.

Hades, Villa Borghese, Rom

Der Herrscher

Hades (oder auch Pluton – Πλούτων) , Bruder des Zeus und der (älteste?) Sohn des Titanen Kronos und der Rhea, ist der „Herr des Totenreiches“, der strenge, unerbittliche, Göttern und Menschen verhasste Gott, aus dessen schaurigem, ödem Reich es keine Rückkehr gibt. Auch durch Bitten und Schmeicheln nicht zu erweichen; nur dem Orpheus gelang es durch die Gewalt seines Gesanges, ihn zur Rückgabe der Eurydike zu bewegen.

Er wurde mit seinen Geschwistern, aus der Gefangenschaft seines Vaters, von seinem Bruder Zeus befreit. Zusammen kämpften sie gegen die Titanen. Ihm half dabei eine unsichtbar machenden Tarnkappe (das Symbol seines unsichtbaren Waltens in der Tiefe der Erde), die er von den Kyklopen geschenkt bekam, auch gegen die Giganten stand er dem Bruder bei. Als die Teilung der Welt unter den Brüdern vorgenommen wurde, erhielt er die Unterwelt. (vgl. Titanomachie)

Er verlässt sie nur äußerst selten. So beim Raub der Persephone und nach dem Kampf mit Herakles, welcher den Kerberos entführen wollte. Von dem Heros durch einen Pfeil an der Schulter verwundet, eilt er nach dem Olymp, um sich von Paian heilen zu lassen.

Die Ehe mit seiner Frau Persephone (Mädchenname Kore – „Gottes Tochter“) blieb fruchtlos.


Pluto mit Kerberos (und der Planet Pluto, der keiner mehr ist)

Sein Gefolge

Zu dem Gefolge des Hades gehören:

  • die Zwillingsbrüder Thanatos „der Tod“ und Hypnos „der Schlaf“;
  • sowie die Erinnyen (lat. Furien) „die Rachegöttinnen“;
  • Charon „der Seelenfährmann“, fährt die Seelen der Abgeschiedenen, die von Hermes zur Unterwelt geleitet wurden, in seinem Nachen über die Flüsse Acheron und Styx.
  • Der Eingang zur eigentlichen Unterwelt wird bewacht von dem dreiköpfigen, schlangenhaarigen Höllenhund Kerberos, der keinen, der das Totenreich betrat, zurück an das Licht des Tages lässt.
  • In seinem Richteramte stehen Hades die drei Totenrichter (griech. εἴδωλα); Minos, Rhadamanthys und Äakos freudlos auf der Asphodeloswiese zur Seite. Die Seelen der Gerechten werden in die vom Lethestrom „dem Strom des Vergessens“ umflossenen, glückseligen Elysion Gefilden gewiesen. Die Frevler hingegen werden in den Tartaros, den schrecklichen Ort der Verbannung gestoßen, wo sie auf mancherlei Weise für ihre Untaten zu büßen haben.
  • Hekate («Göttin des Nachtzaubers»)
  • Seine Vier schwarzen Pferde heißen Aethon, Alastor (auch Abaster genannt), Nykteus und Orphnäus.

Attribute

Abgebildet wird Hades in düsterer Majestät, die Stirn vom Haupthaare beschattet, und mit einem Barte. Auf dem Haupte trägt er, als Symbols seines Besitzes aller Schätze und Früchte der Erde, ein Getreide- oder Fruchtmaß, oder auch ein Füllhorn (»Horn des Erfolgs«) oder eine zackige goldene Krone; in der Hand hält er einen Stab, als Symbol der Herrschaft, oder einen zweizackigen Scepter (Speer), oder einen Schlüssel, zum Zeichen, daß er den Aufenthalt der Abgeschiedenen verschlossen halte, aus dem niemand zurück durfte. Neben ihm befindet sich der dreiköpfige Kerberos. Öfters erscheint er auch mit verschleiertem Haupte, oder mit dem Helme der Unsichtbarkeit (»Hadeskappe«) bedeckt; öfters auch Proserpina neben ihm auf einem Throne oder auf einem vergoldeten viergespannigen Streitwagen, gezogen von schwarzen Rossen, die er mit goldenen Zügeln lenkt.

Bewohner

Mit dem Gefolge des Hades ist dies auch der Wohnort von Chimaira, Echidna, Empusa, Gorgonen, Harpyia, Hekate und Hydra.

Hekatoncheiren (Wächter)

Verbannte

Im Tartaros, der finstersten Ecke der Unterwelt: Danaiden, Ixion, Peirithoos, Sisyphos, Tantalos, Tityos und einige Titanen, (Chthónioi, „die Unterirdischen”) sind hierher verbannt. (Theogonie 697; vgl. Chtonios).

Einzelmythen

Orpheus und Eurydike

Orpheus stieg in den Hades hinab, um seine geliebte gestorbene Frau Eurydike zu befreien. Mit seinem Gesang und seinem Lyraspiel konnte er Hades dazu bewegen, sie ihm mit hinauf zu geben – unter der Bedingung von Persephone, dass Orpheus vor ihr her gehe und sich nicht umschauen dürfe, bis sie wieder in der Oberwelt zurückgekehrt seien. Da Eurydike seine Hand ergriff und er sich daraufhin umschaute (ein vielfaches Motiv der Bildenden Kunst schon im Altertum), musste Eurydike wieder zurück zu den Schatten, und er musste allein wieder hinauf.

Orpheus stand den Musen und somit dem Gott Apollon nahe, nicht aber dem Dionysos, dem Gott des Rausches und ausschweifend-wilder Umzüge und Gesänge. So wurde Orpheus in seiner Heimat von „Mänaden“, thrakischen Anhängerinnen des Dionysos, zerrissen. Sein immer noch singendes Haupt trug das Meer nach Griechenland. Nach antiker Vorstellung war es kein Trost, dass er nun als Schatten sich zum Schatten der Eurydike gesellen konnte.

Persephone

Mit der Einstimmung des Zeus raubte Hades Persephone und machte sie zu seiner Gattin. Ihre Mutter Demeter war darüber so betrübt, dass sie kein Getreide mehr wachsen ließ. So wurde die Vereinbarung geschlossen, dass Persephone 2/3 des Jahres auf der Erde weilen sollte (in dieser Zeit wuchs Getreide) und 1/3 des Jahres bei Hades in der Unterwelt (in dieser Zeit war es Winter).

Minthe und Leuce

Entsprechend Ovid; ging Hades der Nymphe Minthe (Menthe) nach, welche er als Geliebte gewann. Die wurde, in Verbindung mit dem Fluss Kokytos, von der eifersüchtigen Persephone in einen Stock Krauseminze (bot. Mentha crispa) verwandelt. Auf gleiche Weise wurde auch die Nymphe Leuce durch ihn bezaubert, welche durch Hades, nach ihrem Tod, in einen weißen Pappelbaum verwandelt wurde. Als eine Tochter Hades' wird die Veneratio (Reverentia) genannt, doch bleibt die Mutter ungewiß.

Theseus und Peirithoos

Hades hielt Theseus und Peirithoos gefangen, die geschworen hatten, Töchter des Zeus zu heiraten. Theseus wählte Helena und zusammen entführten sie sie und entschlossen sich, sie solange festzuhalten, bis sie alt genug zur Heirat war. Letzterer hatte sich in der Unterwelt, vom andern begleitet, als Freier der Persephone eingefunden. Sie ließen Helena bei Theseus' Mutter Aethra und reisten zur Unterwelt. Hades täuschte vor ihnen Gastfreundschaft anzubieten und ein Fest anzusetzen; sobald die Ermüdeten sich niederließen umwickelten Schlangen ihre Füße und hielten sie dort. So wurden beide wegen dieses frechen Unterfangens von Pluton an den Stein gefesselt.

Herakles

Wenig rühmlich gingen seine Händel mit dem Herakles für ihn aus. Um als letzte der zwölf Arbeiten, für Eurystheus, den Höllenhund Kerberos zu holen, ließ sich Herakles zunächst vom Priester Eumolpos in die Mysterien von Eleusis (Demeter) einweihen und unternahm nach Opferungen und Entsühnung – vom Morde der Zentauren – den Einstieg in die Unterwelt im taenarischen Vorgebirge. Noch in der Unterwelt flohen die toten Seelen vor dem Heros, der mit seinem Knüppel nach der Medusa und dem Meleager drosch, bis ihm der Hermes mitteilte, er übe Schattenkampf. Athene und Hermes halfen ihm auf dem Weg durch den Hades hin und zurück.

„Ganz nahe zu den Pforten des Hades gekommen, erblickte er seine Freunde Theseus und Peirithoos...
Als beide den befreundeten Halbgott erblickten, streckten sie flehend die Hände nach ihm aus...
Den Theseus ergriff auch Herakles wirklich bei der Hand, befreite ihn von seinen Banden...
Ein zweiter Versuch, auch den Peirithoos zu befreien, mißlang, denn die Erde fing an, ihm unter den Füßen zu beben...
Am Tore der Totenstadt stand der König Pluton und verwehrte ihm den Eintritt. Aber das Pfeilgeschoß des Heroen durchbohrte den Gott an der Schulter, daß er Qualen der Sterblichen empfand und, als der Halbgott nun bescheidentlich um Entführung des Höllenhundes bat, sich nicht länger widersetzte. Doch forderte er als Bedingung, daß Herakles desselben mächtig werden sollte, ohne die Waffen zu gebrauchen, die er bei sich führe...“
(Gustav Schwab, siehe auch Kerberos)

Hades mußte zusehen, wie Herakles eine seiner Kühe schlachtete und mit dem Blut der Seele des Theseus neue Kraft einhauchte, der daraufhin der Unterwelt entkam. Auch holte er die Gattin des Königs Admestos, Alcestis aus dem Hades zurück. Einem helfend hinzutretenden Bedienten des Hades, den Hirten Menoetios, hätte Herakles fast erwürgt, wenn ihn Persephone nicht besänftigt hätte, ehe er endlich mit dem Kerberos, durch die Höhle Acherusia, abzog.

Auch hatte Hades bereits seine Erfahrungen mit Herakles gemacht, als er den Pyliern helfen wollte und dabei von ihm verwundet wurde.

Kult

Einen Kult im herkömmlichen Sinne gab es für Hades nicht. Vereinzelt wurde er gemeinsam mit Persephone als Fruchtbarkeitsgott verehrt. In Alexandria wurde ihm zu Ehren ein Tempel errichtet - er wurde hier mit dem örtlichen Gott Sarapis verglichen.

Hades hatte uralte Tempel zu Koroneia in Böotien und zu Pylos in Messenien, in Athen, in Olympia und einen heiligen Hain bei Nysa. Bekannt ist auch ein Tempel des Hades in der Stadt Elis bei Bylos, dieser war auch nur einmal im Jahr für Priester zugänglich. Eine andere Kultstätte könnte sich am Berg Minthe befunden haben. Ihm waren die Zypresse, Narcissus und der Buchsbaum heilig; man opferte ihm, mit abgewandtem Antlitz, schwarze Schafe.

Es wurden ihm in Rom, besonders im Monat Februar, große Opfer (Februationen) von schwarzen Stieren und Ziegen während zwölf Nächten dargebracht, bei welcher Handlung seine Priester mit Cypressenzweigen bekränzt waren; und alle hundert Jahre widmete man ihm und der Proserpina die fäkularischen Spiele, als Totenfeier für die Verstorbenen.

Kunst

In der bildenden Kunst wird Hades oft als Räuber der Persephone dargestellt, manchmal auch mit Persephone als Herrscherpaar der Unterwelt. Oft wird er als unsichtbar aufgefasst und die Unterwelt mit den toten Seelen gezeigt.

Andere Namen

Da man sich scheute, den Namen des Unterweltgottes Hades zu nennen, benannte man ihn mit anderen Namen.

Griechisch

  • Άιδης/ Aides/ Äides/ Ais/ Äis
  • Haides „„der Ungesehne““
  • Aiidoneus/ Aidoneus/ Aedonius „der Unsichtbare“
  • Pluton[as] „„Der Reiche““
  • Ploutos/ Plouton (griech. Πλούτων) „„Gott der Reichtümer““
  • Theos

Beinamen/ Spitznamen

  • Agathalyus, Agelastus, Agesilaus
  • Altor
  • Axiocerses
  • Eubeleus (Der Geber guten Ratschlags, guter Vermutungen)
  • Chtonius
  • Clymenus (der berühmt Berüchtigte)
  • Polydectes (der Empfänger von Vielen)
  • Polydegmon (er welcher viel empfängt)
  • Quietalis
  • Soranus, Stygius
  • Trophonios/ Trophonius
  • Vedius, Veiovis
  • Zeus Chthonios/ Zeus Katachthonios (Zeus der Unterwelt)

Römisch

  • Pluto[n] „Der Reiche““ – War ursprünglich Herr über die Erze und Edelmetalle, und sein Name wurde durch die Verbindung zu den Tiefen der Erde zum Synonym für den Gott der Unterwelt.
  • Dis
  • Dis Pater
  • Orcus
  • Februus
  • Summanus

Parallelen

In der Römischen Mythologie wird Hades Pluto genannt und später diesem gleichgesetzt. Vgl. auch das germanische Konzept der Hel.

Hades entspricht der ägyptischen Amenthes oder Duat, dem römischen Orcus und dem nordischen Helheim. Diese Unterwelten wurden im Christentum allesamt zur Hölle als Ort ewiger Verdammnis.

Andere Wortbedeutungen

„Hades“ ist der Name eines Kapitels in James Joyce's Novelle Ulysses.

Hades ist auch die Bezeichnung einer französischen Rakete, siehe Hades (Rakete).

„Operation Hades“ nannte sich auch eine 1994 durchgeführte skandalöse Aktion des Bundesnachrichtendienstes: Es handelte sich um einen von der Behörde inszenierten Plutoniumschmuggel. Der Skandal wurde schon 1995 aufgedeckt und machte unter der Bezeichnung „Plutonium-Affäre“ weltweit Schlagzeilen.

„HADES“ ist auch der Name einer amerikanischen Progressiv-Metal Band

Anmerkungen

  1. ⇑ Ein in Verbindung stehendes hebräisches Wort für den Aufenthaltsort der Toten, She'Ol, bedeutete auch buchstäblich „ungesehen“.

Siehe auch: , Stammbaum der griechischen Götter, Pheneos

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    Lexikon der Griechischen Mythologie

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