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![]() Personifizierung der Odyssee von Jean Auguste Dominique Ingres, eine separate Studie für die Apotheose von Homer Die Odyssee (altgriechisch Oδυσσεία, Odysseía) ist nach der Ilias das zweite dem griechischen Dichter Homer zugeschriebene Epos. Im späten 8. Jahrhundert v. Chr. niedergeschrieben, schildert es die Abenteuer des Königs Odysseus von Ithaka und seiner Gefährten auf der Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg. Die Odyssee gehört zu den ältesten und einflussreichsten Werken der abendländischen Literatur. In vielen Sprachen ist der Begriff „Odyssee“ zu einem Synonym für lange Irrfahrten geworden. Der Inhalt der Odyssee
Anfangsverse der Odyssee
Kalliope, Rimantas Gibavičius (1935-1993) Vilnius (*). Mit der Anrufung der Muse (Epiklese) beginnt die nach Homers Ilias älteste Dichtung der abendländischen Literatur: Ándra moi énnepe, Moúsa, polýtropon, hós mala pólla In der Übersetzung von Johann Heinrich Voss aus dem Jahr 1781 lauten die gesamten Eingangsverse der Odyssee so: Sage mir, Muse, die Taten des vielgewanderten Mannes, In 12.200 solcher Hexameterverse, die in 24 Gesänge unterteilt sind, erzählt die Odyssee, wie der König der kleinen Insel Ithaka nach zehn Jahren Krieg weitere zehn Jahre umherirrt. Nach vielen Abenteuern kehrt er schließlich als Bettler unerkannt heim und findet sein Haus voller Fremder, die sein Eigentum aufzehren. Sie reden seiner Frau Penelope ein, er sei tot, und wollen sie zwingen, einen von ihnen zu heiraten. In einem letzten Abenteuer muss Odysseus den Kampf gegen diese Freier bestehen. Eine Parallelhandlung, die „Telemachie“, erzählt, wie sich Telemachos, der Sohn von Odysseus und Penelope, auf die Suche nach dem vermissten Vater macht. Die 24 Gesänge
Um die Spannung stets aufrecht zu halten, bedient sich Homer einer sehr komplexen Erzählweise. Er arbeitet zum Beispiel mit Parallelhandlungen, Rückblenden, Einschüben, Perspektiv- und Erzählerwechseln. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sondern setzt kurz vor der Rückkehr Odysseus' nach Ithaka ein. Sie gliedert sich wie folgt:
Die Irrfahrten des Odysseus Im Zentrum des Epos steht in den Gesängen 9 bis 12 Odysseus' eigene Schilderung seiner Abenteuer bis zu seiner Landung auf der Insel der Phaiaken. Dieser, eher märchenhafte Teil wird von vielen Forschern für das ursprüngliche Epos gehalten, das später um die einleitende Telemachie und die ausführliche Schilderung des Freiermords am Ende erweitert wurde. Kikonen, Lotophagen und Kyklopen Nachdem sie Troja auf zwölf Schiffen verlassen haben, überfallen Odysseus und seine Männer zunächst die mit den Trojanern verbündeten thrakischen Kikonen, werden von diesen aber vertrieben. Dann verschlägt ein Sturm ihre Schiffe weit über Kap Malea, die Südspitze der Peloponnes und die Insel Kythera hinaus ins Land der Lotophagen, der Lotosesser. Einige Männer kosten von der Frucht, die süchtig macht und sie ihre Vergangenheit und ihre Heimat vergessen lässt. Sie müssen daraufhin mit Gewalt auf die Schiffe gebracht werden.
Anschließend landen Odysseus und seine Gefährten auf einer Insel, die von je allein lebenden einäugigen Riesen bevölkert ist, den Kyklopen. Der Kyklop Polyphem sperrt sie in seiner Höhle ein und droht, sie nacheinander zu verspeisen. Odysseus, der sich ihm listig als „Niemand“ (griechisch oudeís, zugleich ein Wortspiel) vorgestellt hat, gelingt es, Polyphem betrunken zu machen und ihn dann mit einem glühenden Pfahl zu blenden. Als andere Kyklopen auf Polyphems Gebrüll hin herbeieilen, ruft dieser ihnen zu, „Niemand“ habe ihm etwas angetan, so dass sie wieder umkehren. Um seine Schafe auf die Weide zu lassen, muss Polyphem den Stein vor seiner Höhle weg wälzen, und Odysseus kann mit seinen Gefährten entkommen. Als Polyphem dies bemerkt, bittet er seinen Vater, den Meeresgott Poseidon, Odysseus' Heimkehr zu verhindern. Aiolos, Laistrygonen, Kirke und Hades Der Windgott Aiolos, dessen Insel er als nächste anläuft, schenkt Odysseus einen Lederschlauch, in dem alle Winde eingesperrt sind, bis auf den, der seine Schiffe sicher nach Ithaka treiben soll. Doch als Odysseus' ahnungslose Gefährten kurz vor dem Ziel den Schlauch aus Neugier öffnen, entweichen alle Winde und ihre Schiffe werden zur Insel des Aiolos zurückgetrieben. Dieser verweigert daraufhin jede weitere Hilfe. Als nächstes gelangen Odysseus und seine Leute zu den Laistrygonen, einem menschenfressenden Riesenvolk, das elf ihrer zwölf Schiffe vernichtet. Mit seinem letzten Schiff kommt Odysseus zur Insel Aiaia, wo die Zauberin Kirke (auch: „Circe“ oder „Zirze“) einige seiner Gefährten in Schweine verwandelt. Ihm selbst gelingt es mit Hilfe des Götterboten Hermes, dem Zauber zu entgehen und seine Gefährten zu befreien. Schließlich gewinnt er sogar Kirkes Liebe, die ihn überzeugen will, für immer bei ihr zu bleiben. Die betreffende Zeile ist ein Beispiel für Homers Wortmusik. Danach bezirzt Kirke Odysseus folgendermaßen: aíei dè malakoísi kai haímylioísi logoísi (ímmer jedóch mit weíchen schmeíchelnden Wörtchen ...) Doch nach einem Jahr beschließt er, die Heimreise fort zu setzen. Kirke rät ihm, zuvor den toten Seher Teiresias im Hades, der griechischen Unterwelt, nach seinem weiteren Schicksal zu befragen. Im Hades trifft er auch seine inzwischen verstorbene Mutter, Mitkämpfer aus dem Trojanischen Krieg und seinen verunglückten Gefährten Elpenor, den er glaubte, gesund bei Kirke zurück gelassen zu haben. Der Seher Teiresias gibt ihm Ratschläge für die Weiterfahrt. Seeungeheuer, Helios' Rinder, Kalypso
Nach dem Besuch in der Schattenwelt segelt Odysseus zunächst an der von gefährlichen Klippen umgebenen Insel der Sirenen vorüber. Mit ihren betörenden Gesängen locken die Sirenen alle Schiffe in Hörweite ins Verderben. Um diese Gesänge dennoch hören zu können, lässt sich Odysseus an den Mast fesseln, während seine Gefährten sich die Ohren mit Wachs verschließen müssen. Anschließend passieren sie mit knapper Not die Meerenge, an deren Rändern zwei Seeungeheuer drohen: die sechsköpfige, menschenverschlingende Skylla und die Charybdis, die einen Strudel verursacht, in dem ganze Schiffe versinken. Ermattet und ausgehungert erreichen sie die Insel des Sonnengottes Helios. Trotz Odysseus' Warnung schlachten die Gefährten dessen heilige Rinder. Zur Strafe kommen sie nach ihrer Abreise allesamt in einen Sturm um. Nur Odysseus kann sich auf die Insel Ogygia der Nymphe Kalypso retten. Diese hält Odysseus sieben Jahre auf ihrer Insel fest und lässt ihn erst auf Geheiß der Götter wieder ziehen. Er baut ein Floß und gelangt trotz eines Sturms, den Poseidon entfacht, nach Scheria, der Insel der Phaiaken, wo die Königstochter Nausikaa ihn nackt am Strand findet. An zwei aufeinanderfolgenden Abenden erzählt Odysseus den Phaiaken und ihrem König Alkinoos seine Geschichte. Anschließend beschenken sie ihn reich und bringen ihn heim nach Ithaka. Die Homerische Frage Die Frage nach Entstehung, Autorenschaft und realen Hintergründen der Odyssee beschäftigt die altphilologische Forschung seit zwei Jahrhunderten. Entstehung des Großepos'
Mutmaßliche Büste Homers Römische Kopie eines originals um 150 v. Chr. H: 0.41 m , Museum of Fine Arts, Boston, USA Da die Handlung der Odyssee unmittelbar an die Ilias anschließt, könnten erste mündliche Fassungen des Epos' bereits kurz nach den kriegerischen Ereignissen am Ende der Bronzezeit (um 1150 v. Chr.) entstanden sein, die den realen Hintergrund zum Sagenkreis um den Trojanischen Krieg bilden. Mit Sicherheit wurden verschiedene Urfassungen der Odyssee jahrhundertelang durch Sänger, so genannte Rhapsoden, mündlich tradiert und dabei immer wieder verändert. Der metrische Rhythmus der Verse diente dem vortragenden Sänger als Gedächtnisstütze. In der Forschung wird heute allgemein angenommen, dass verschiedene Kurzepen zur Odyssee dichterisch zusammengefasst wurden. Ursprünglich dürften mindestens zwei verschiedene Geschichten existiert haben: zum einen die des Troja-Heimkehrers Odysseus, der die Freier tötet, welche die Zeit seiner Abwesenheit ausgenutzt haben; zum anderen die abenteuerlichen Seefahrergeschichten, die ihrerseits aus verschiedenen Quellen stammen und erst später Odysseus zugeschrieben wurden. In einer vor-homerischen Urfassung schilderte die Odyssee vermutlich in einfacher zeitlicher Abfolge die Irrfahrten des Helden, seine Heimkehr und den Freiermord. Die Niederschrift der Odyssee, auf welche die heute bekannte Form des Epos zurück geht, erfolgte nach weitgehender aber nicht unumstrittener Forschungsmeinung um 720 v. Chr. Erst dabei könnte der dritte Handlungsstrang hinzu gefügt worden zu sein: die einführenden Gesänge der Telemachie, die Geschichte von der Suche des Telemachos nach seinem Vater. Sie diente dem Zweck, die Spannung zu erhöhen und - durch die Schilderung der Zustände auf Ithaka Odysseus’ spätere Rache an den Freiern als gerechtfertigt hinzustellen. Die Frage des Autors Mit der Veröffentlichung des Werks Prolegomena ad Homerum des Hallenser Altphilologen Friedrich August Wolf im Jahr 1795 setzt die moderne Homer-Forschung ein. Die so genannten Homerischen Fragen, die sich seither stellen, sind bis heute nicht zufriedenstellend beantwortet worden: Hat Homer dem gesamten Epos seine heutige Form gegeben oder bereits Vorhandenes lediglich redigiert? Hat er nur die Telemachie hinzugefügt? Ist er überhaupt der Dichter der Odyssee gewesen? Einige Forscher weisen auf den zeitlichen Abstand zwischen der um 750 v. Chr. entstandenen Ilias und der Odyssee hin sowie auf die inhaltlichen Diskrepanzen hier Kriegsepos mit realistischem Hintergrund, dort märchenhafte Abenteuer um zu begründen, warum Homer nicht gleichzeitig der Autor beider Werke gewesen sein kann. Andere halten es auf Grund der stilistischen Ähnlichkeiten zwischen beiden Epen durchaus für möglich, dass die Odyssee ein Alterswerk des Ilias-Dichters ist. Fest steht nur, dass der Odyssee-Dichter sich stilistisch eng an der Ilias orientiert und viele ihrer Formulierungen übernommen hat, so dass er zumindest dem Umfeld Homers zuzuordnen ist. Auch Forscher, die Ilias und Odyssee für Werke zweier verschiedener Autoren halten, bezeichnen beide als "homerische Epen". Goethe spottete schon 1795 über die Versuche, Ilias und Odyssee textkritisch zu zergliedern: "Die Idee mag gut sein, und die Bemühung ist respektabel, wenn nur nicht diese Herren, um ihre schwachen Flanken zu decken, gelegentlich die fruchtbarsten Gärten des ästhetischen Reichs verwüsten und in leidige Verschanzungen verwandeln müssten. Am Ende ist mehr Subjektives, als man denkt, in diesem ganzen Krame." Lokalisierungen der Odyssee Seit Heinrich Schliemanns Ausgrabungen in Troja ist erwiesen, dass die Ilias einen realen Hintergrund hatte. Alle Versuche, auch der Odyssee reale Schauplätze zuzuweisen, bleiben dagegen umstritten, da ihr Stoff über weite Passagen märchenhafte Züge trägt. Aus diesem Grund hat sich schon im 3. Jahrhundert v. Chr. der Geograph Eratosthenes über Versuche einer exakten Lokalisierung einzelner Schauplätze lustig gemacht. Andere Gelehrte, wie Herodot, haben es dennoch versucht. Außer bei wenigen Textstellen, in denen der Dichter tatsächlich existierende Landschaften und Orte nennt - zum Beispiel Thrakien, Kap Malea, Kythera, Ithaka - blieben solche Versuche aber stets Spekulation. So wurde schon in der Antike die Tunesien vorgelagerte Insel Djerba mit dem Land der Lotosesser identifiziert. Sizilien sollte sowohl die Heimat der Kyklopen als auch die Insel Thrinakia des Sonnengottes Helios gewesen sein. Ustica, eine Insel nördlich Siziliens, wurde dem Windgott Aiolos zugeordnet. Die Seeungeheuer Skylla und Charybdis hätten demnach an der Meerenge von Messina und die Laistrygonen an der Südspitze Korsikas gehaust. In der maltesischen Insel Gozo wollten manche Gelehrte das Ogygia der Nymphe Kalypso erkennen. Ein Vorgebirge bei Neapel trägt bis heute den Namen Kap Circeo, aber welche der vorgelagerten Inseln diejenige der Zauberin Kirke gewesen sein soll, ist ebenso umstritten wie alles andere. Womöglich verlegte der Dichter die Reise des Odysseus ganz einfach in seine eigene Gegenwart und schilderte sie als eine Umschiffung Süditaliens, das zu seiner Lebenszeit gerade von griechischen Kolonisten besiedelt wurde. Zur Textüberlieferung Die Überlieferung des Texts, so wie ihn der Dichter der Odyssee Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. abgefasst hat, ist schon für die Antike nicht ganz sicher. Von der Odyssee wie von der Ilias dürften schon kurz nach der Niederschrift viele von einander abweichende Kopien im Umlauf gewesen sein. Die hohe Wertschätzung, die den homerischen Texten schon früh zuteil wurde, führte aber dazu, dass immer wieder textkritische Rekonstruktionen der Urfassung angefertigt wurden; im Athen des Tyrannen Peisistratos Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. geschah dies sogar auf Staatskosten. Bis in frühhellenistische Zeit weisen Papyri jedoch voneinander und von der Athener Version abweichende Textfassungen auf. Dies änderte sich erst nach der Gründung der Bibliothek von Alexandria durch Ptolemaios I. Soter im Jahr 288 v. Chr. Die Gelehrten Zenodot von Ephesus, Aristophanes von Byzanz und vor allem Aristarchos von Samothrake, der sechste Vorsteher der Bibliothek, erstellten durch Vergleiche und textkritische Methoden, wie sie noch heute angewandt werden, kanonische Fassungen beider Epen, die wahrscheinlich den Athener Versionen entsprachen. Zwar gingen im Laufe der Jahrtausende auch die Schriften der drei Bibliotheksvorsteher weitgehend verloren. Doch gehen die Abschriften beider Epen bis zum Ende der Antike und ihre heutige Textgestalt mit einiger Sicherheit auf deren Arbeiten zurück. Dies hat vor allem mit der bereits erwähnten Verehrung Homers in der gesamten antiken Welt zu tun. Odyssee und Ilias gehörten zum Kern des antiken Bildungskanons, und seit der Tätigkeit der alexandrinischen Bibliothekare wurde auf eine getreue Weitergabe der Texte geachtet. Komplette Abschriften beider Werke aus der Antike sind allerdings nicht erhalten. Zu den ältesten Textzeugnissen gehören der Londoner Homer-Papyrus aus der ersten Hälfte des 2. sowie der Berliner Homer-Papyrus aus dem 3. Jahrhundert. Die älteste erhaltene Handschrift des ganzen Homer wurde im Konstantinopel des 12. Jahrhunderts angefertigt. Inkunabeln, Erstdrucke, der Odyssee stammen aus dem 16. Jahrhundert. Zwischen der ersten schriftlichen Fixierung der homerischen Epen und ihrer ältesten bis heute erhaltenen, vollständigen Abschrift liegen also 2000 Jahre. Dennoch geht die Forschung davon aus, dass die heutigen Fassungen dank der Vorarbeit der antiken Gelehrten im wesentlichen den Texten des 8. Jahrhunderts v. Chr. entspricht. Nachwirkungen Die Odyssee ist nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der meist bearbeiteten Werke der abendländischen Literatur- und Kulturgeschichte. Sowohl der Stoff - phantastische Irrfahrten und Abenteuer - als auch der Held - der listenreiche aber einsame Dulder, der nach langen Jahren heimkehrt und seine vertraute Welt nicht wiederfindet - sind in literarischen, dramatischen oder musikalischen Werken, bis hin zum modernen Film, immer wieder aufgegriffen worden. Der Philosoph Theodor W. Adorno sah in Odysseus den ersten modernen Menschentyp in der Literaturgeschichte. Er sei beispielsweise der erste Charakter, der sich nicht den Göttern und dem Schicksal ergebe, sondern, teilweise unter Leugnung seiner Identität, erfolgreich gegen beide ankämpfe - und damit erst zum Herrscher über sein eigenes Geschick werde. Die Leugnung der Identität ist nach Adorno insofern revolutionär, weil damit erstmals der schamanistische, identitätsstiftenden Charakter des eigenen Namens überwunden werde. Der moderne Mensch müsse wie Odysseus fähig sein, seine Identität aufzugeben, um sie zu erhalten. Literarische Bearbeitungen Die Reihe der Werke, die sich von der Odyssee inspirieren ließen, beginnt schon in der Antike. Der römische Dichter Vergil - zuweilen als "zweiter Homer" bezeichnet - nahm sie sich zum Vorbild, als er das römische Nationalepos, die Aeneis, schuf. Er schildert darin das Schicksal des trojanischen Helden Aeneas, den es nach der Zerstörung der Stadt ebenfalls in aller Herren Länder verschlägt, bevor er sich in Italien niederlässt und zum mythischen Stammvater der Römer wird. Einflüsse der Odyssee sind auch in den arabischen Märchen von Sindbad dem Seefahrer erkennbar. Die Gestalt des Odysseus wurde von vielen Dichtern als Urbild des Menschen an sich verstanden: Neugierig, listig und stets auf der Suche nach Wissen und Erfahrung, gelingt es ihm immer wieder, Gefahren zu meistern. Andererseits muss er, der Willkür der Naturgefahren und der Götter ausgeliefert, „unnennbare Leiden erdulden“. Odysseus gilt daher als literarisches Vorbild für so unterschiedliche Figuren wie Goethes "Faust" oder Jules Vernes Kapitän Nemo, dessen lateinischer Name (deutsch: "Niemand") der Kyklopen-Episode entnommen ist. Als literarisch anspruchsvollste, moderne Bearbeitung des Stoffs gilt der Roman "Ulysses" (engl. für "Odysseus") von James Joyce. Das 1922 erschienene, stilistisch bahnbrechende Werk gilt als einer der wichtigsten Romane des 20. Jahrhunderts. Es schildert einen Tag, den 16. Juni 1904, im Leben des Anzeigenverkäufers Leopold Bloom, der durch Dublin streift, dabei alltägliche Dinge erlebt - die aber exakt mit Odysseus' Abenteuern korrespondieren - und der spät nachts zu seiner Frau Molly heimkehrt. In Deutschland griffen nach dem 2. Weltkrieg Heimkehrerdramen wie Wolfgang Borcherts "Draußen vor der Tür" das zentrale Thema der Odyssee wieder auf. Die Odyssee in Oper und Film Auch Opernkomponisten und Filmregisseure haben sich des Stoffs der Odyssee und der Figur ihres Helden immer wieder bedient. Als Themen beliebt waren die Rückkehr des Helden zu Penelope, etwa in "Il ritorno d'Ulisse in patria" ("Die Heimkehr des Odysseus", Venedig 1641) von Claudio Monteverdi, und die Episode bei der Zauberin Kirke, z. B. in Charpentiers Schauspielmusik zu "Circé" (Paris 1675). Georg Friedrich Händels letzte Oper "Deidamia" (London 1741) behandelt eine Episode aus Odysseus' Leben vor dem Trojanischen Krieg. In Gabriel Faurés Oper "Penelope" spielt Odysseus' geduldig wartende Frau die Hauptrolle. Neueren Datums sind Luigi Dallapiccolas Oper "Ulisse" ("Odysseus"), die 1968 in Berlin Premiere feierte, sowie "Odysseus auf Ogygia" von Klaus Michael Arp, uraufgeführt 1988 in Koblenz. Die Zahl der Verfilmungen der Odyssee oder von Stoffen, die sich an ihr orientieren, dürfte kaum festzustellen sein. Bereits in der Stummfilmzeit wurden erste Fassungen gedreht, etwa der - allerdings nie fertiggestellte - Film "Die Odyssee" von Fritz Lang. Mario Camerini schuf 1954 den Monumentalfilm "Die Fahrten des Odysseus" mit Kirk Douglas in der Titelrolle, der für die damalige Zeit mit beachtlichen Spezialeffekten und Tricktechniken aufwartete. Eine aktuelle Bearbeitung des Stoffs ist Andrei Konchalovskys "Die Abenteuer des Odysseus" von 1997, die mit Fantasy-Elementen angereichert wurde. Stanley Kubricks Science Fiction-Klassiker "2001: Odyssee im Weltraum" folgt der Handlung des Epos nicht chronologisch, sondern ist eine freie, teils stark verfremdende Bearbeitung mit zahlreichen Anspielungen auf das Original. Kubricks Odysseus ist die ganze Menschheit, deren Reise durch die Zeit nach dem ersten Krieg und der Erfindung der ersten Waffe beginnt. Das summende Geräusch des Monolithen im Film entspricht dem verlockenden Sirenengesang in der Odyssee, das Auge des Computers HAL dem des Kyklopen Polyphem. Der Name des Astronauten Dave Bowman (=Bogen-Mann) spielt auf Odysseus als geübter Bogenschütze an. Auch der Film "O Brother, Where Art Thou?" von Ethan und Joel Coen greift Elemente der Odyssee auf, z.B. die Sirenen oder den einäugigen Riesen. Übertragungen ins Deutsche Es existieren verschiedene Übertragungen des Epos' ins Deutsche. Die metrische Übersetzung von Johann Heinrich Voss aus dem 18. Jahrhundert gilt ihrerseits als Klassiker. Ihr sprachschöpferischer Einfluss auf das Deutsche wird mit Martin Luthers Bibelübersetzung verglichen. Thassilo von Scheffer hat im 20. Jahrhundert eine beachtliche Neuübersetzung vorgelegt. Die bekannteste Prosa-Übertragung ist die von Gustav Schwab aus dem 19. Jahrhundert. Ebenfalls in Prosa gehalten sind die moderneren Fassungen von Gerhard Scheibner und Wolfgang Schadewaldt. Speziell für Kinder und Jugendliche geschrieben sind Das Hölzerne Pferd (inklusive Kampf um Troja) von Franz Fühmann sowie Die Odyssee von Ulrich Karger. Werkausgaben
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Nacherzählungen für Kinder
Literatur
Weblinks Von "http://de.wikipedia.org/"
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