Et in Arcadia ego

Nicolas Poussin, Die Hirten von Arkadien II. (1638-1640)

Et in Arcadia ego ist eine lateinische Phrase. Sie bedeutet auf deutsch "Auch in Arkadien (bin) ich" und findet sich in zwei Gemälden des französischen Malers Nicolas Poussin mit dem Namen Die Hirten von Arkadien.

Ursprung

Die Inschrift wurde zum ersten Mal vom italienischen Barockmaler Giovanni Francesco Barbieri in seinem Gemälde Et in Arcadia ego verwendet, in dem sie auf einer Steinplatte, auf der ein Totenkopf liegt, geschrieben steht. Der Ausspruch ist somit derjenige des Todes und von der Art des Memento Mori ("Bedenke, dass du sterben musst"). Die beiden Hirtenjungen werden von ihm an den Tod gemahnt, der auch die griechische Landschaft Arkadien, die in der Renaissance und im Barock ein Symbol für das Goldene Zeitalter war, wo die Menschen in einem Idyll als glückliche Hirten lebten, nicht umgeht.

Die erste Erwähnung eines Grabmals mit einer Inschrift für Daphnis vor einem idyllischen Hintergrund findet sich in Vergils Eclogae (V, 42 ff.)[1]:

Daphnis ego in siluis hinc usque ad sidera notus,
formosi pecoris custos formosior ipse.
Tale tuom carmen nobis, diuine poeta,
quale sopor fessis in gramine, quale per aestum
dulcis aquae saliente sitim restinguere riuo.
Nec calamis solum aequiperas, sed uoc magistrum.

Vergil versetzte das von Theokritos in den sog. Eidyllia idealisierte sizilianische Bauerntum nach Arkadien. In der Renaissance wurde die Thematik wieder von Lorenzo de’ Medici aufgenommen. Der italienische Dichter Jacopo Sannazaro festigte 1504 in seiner bukolischen Dichtung Arcadia das Bild der Neuzeit von Arkadien als einem Idyll, auf das er mit Sehnsucht zurückblickt, ebenso der englische Schriftsteller Philip Sidney in der Romanze The Countess of Pembroke's Arcadia.

Die Hirten von Arkadien

Der französische Maler Nicolas Poussin malte von 1630-1640 zwei dem Barbieris ähnliche Bilder mit dem Titel Die Hirten von Arkadien. Das erste, das um 1630 entstand, zeigt drei Hirten und eine Schäferin, die unerwartet auf die Inschrift an einem Sarkophag gestoßen sind. Sie wirken aufgewühlt und bestürzt, anders als im geometrisch aufgebauten zweiten Bild, in welchem sie elegisch und von barockem Lebensgefühl beseelt die Inschrift betrachten.[2]

Giovanni Francesco Barbieri, Et in Arcadia ego (1616-1620)

Interpretation

Im Satz fehlt das Prädikat esse (= sein), was im Lateinischen möglich ist, aber zu unterschiedlichen Interpretationen führt. Die Wandlung des Motivs hatte auch eine Interpretationswandlung der Inschrift zur Folge. Et in Arcadia ego wurde nicht mehr auf den Tod, sondern auf den Verfasser des Epigraphen bezogen; so trat an die Stelle von "Selbst in Arkadien gibt es mich" oder "Auch in Arkadien bin ich" die falsche Deutung "Auch ich war in Arkadien."[3] Diese Übersetzung wird durch das zweite Bild Poussins nahegelegt, ist allerdings nach der Grammatik des Lateinischen inkorrekt.

Die deutsche Übersetzung des Satzes wurde von Goethe in seiner "Italienischen Reise" als Motto voran gestellt, erhielt aber ihre heutige Popularität zumeist durch Friedrich Schillers Gedicht "Resignation", das mit den Worten beginnt: "Auch ich war in Arkadien geboren".

Literatur

  • Erwin Panofsky: Et in Arcadia ego. Friedenauer Presse, Berlin 2002, ISBN 3-932109-28-7
  • Genevieve Warwick: Commemorating Poussin: Reception and Interpretation of the Artist. Cambridge University Press, 1999, ISBN 0-52164004-0

Quellen

  1. P. VERGILI MARONIS ECLOGA QVINTA
  2. ↑ "Die elegische Wandlung des arkadischen Motivs und das Ende der Schäferei"
  3. ↑ Erwin Panofsky: Et in Arcadia ego. Friedenauer Presse, Berlin 2002, ISBN 3-932109-28-7

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