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Enthymesis, ein lateinisches, später deutsches Kunstwort aus dem Griechischen (ενθύμεσις, eine „tiefe Sehnsucht“), das in der spekulativ-mystischen Literatur des ausgehenden Mittelalters als Personifikation der „Begierde“ erscheint. Literarisches Werk "Enthymesis oder W.I.E.H." ist eine ab 1944 entstandene, Februar 1946 niedergeschriebene Erzählung von Arno Schmidt. Veröffentlich wurde sie zuerst 1949 in dem Sammelband "Leviathan" (siehe dort). (Die Abkürzung "W.I.E.H." bleibt unerklärt - vmtl. "Wie ich euch hasse".) Sie kann als Brückenerzählung zwischen Schmidts Juvenilia und seiner Nachkriegsdichtung ab 1945 genommen werden. Er besteht im Wesentlichen aus einem Tagebuch des Philostratos, eines Schülers des antiken Geographen Erathostenes (etwa 484-202 v. Chr.), der die These seines Lehrers von der Kugelgestalt der Erde nicht akzeptieren kann. Dieses ist formal in eine nicht miterzählte Rahmenerzählung eines anonym bleibenden Erzählers eingebettet, der nur die Quelle und eine Schlussnotiz Eratosthenes' wiedergibt. Der Diarist leitet eine Expedition zur Vermessung des unbekannten Südens von der Mittelmeerküste in die Sahara. Er ermordet seinen meuternden und mit der kleinen Karawane umkehrenden Vertreter mit einem fernhintreffenden Pfeilschuss und scheint dann im Süden unter mythischen Lebewesen verschollen zu sein. Erzählerische Kernhandlung sind die - oft gehässigen - Beobachtungen des Philostratos, dem trotz seiner ausgezeichneten wissenschaftlichen und landmesserischen Kenntnisse eine endlose flache Erde mehr einleuchtet als deren (damals schon erwiesenen) Kugelform – weil man dann immer wieder Neues entdecken könne und nie ‚zurückkehren‘ müsse. Literarische und zeitgeschichtliche Bezüge ergeben sich aus den Hauptfiguren: Philostratos’ zweiter Mann, der Römer Aemilianus, nach dem Muster eines preußischen Landvermesser-Offiziers des 19. Jh. gezeichnet, vertritt den militaristischen Raubstaat Rom während der Punischen Kriege und spioniert den noch freien Diadochenstaat Ägypten aus, so dass mit ihm ein NS-Offizier von 1944 erschossen wird. Der Karawanenführer Mabsut, der als erster den Wahnsinn des Philostratros durchschaut, mischt sich nicht ein, er ist nur ein dienender ‚Eingeborener‘. Auch der Märchenerzähler Tarfan, der abends die Teilnehmer unterhält, beobachtet nur, übrigens mehr als alle, schweigt aber und sammelt Stoffe für künftige Geschichten. Der Jüngling Deinokrates, voller studentischer Wissbegierde und Beobachtungslust, könnte als gereifter Mann der Erzähler des Ganzen sein (das wäre eine beliebte Konstruktion, vgl. vorher z.B. Wilhelm Raabes Stopfkuchen oder später Umberto Ecos Der Name der Rose).
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