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Mit Buphonia (oder Bouphonia, altgr. Bouphónia "Ochsenmord") bezeichnet man ein Tieropfer, das in archaischen und klassischen Athen anlässlich des Jahresfests stattfand.
Geschichte und Legende Das Ritual wurde am 14. Tag des Skiraphorión, des letzten Monats des Jahres, durchgeführt. Das Opfer wurde dem Zeus polieus (Dii poliei) in der Akropolis dargeboten und die Feierlichkeiten, in deren Rahmen das Ritual seinen Platz hatte, waren Dipoliéia genannt. Das Ritual ist wegen seiner Eigentümlichkeit mit vielen Details überliefert worden und möglicherweise war manchmal die einzige Form oder die Hauptform des athenischen Jahresfests, da in einigen ionischen Kalendern der letzte Jahresmonat Bouphonión genannt wird. Die Dipoliéia fanden bis in das II. Jahrhundert n. Chr. statt und galten bereits im V. Jahrhundert v. Chr. als sehr alt, wie Aristophanes vermuten lässt, der die Wörter dipolieia und bouphonia in "Die Wolken" dazu verwendet, um "alten (sinnlosen) Zopf" zu bezeichnen. Die Grundungslegende ist von mehreren Quellen (u.a. Theophrast, Suda-Lexikon, Apollodoros) überliefert worden. Der Legende zufolge, zur Zeit des Königs Erechteus wurden in Athen nur pflanzliche Opfer den Göttern dargeboten. Ein Ochse habe sich während eines solchen Opfers dem Altar genähert und das dem Zeus geweihte Getreide gegessen. Aus Zorn für diese Entweihung habe ein Bauer namens Thaulon (oder Sopatros oder Diomos) den Ochsen mit einem Axt niedergeschlagen und sei anschließend geflohen: Das sei die erste Tötung eines Ochsen überhaupt gewesen. Das Orakel habe daraufhin angeordnet, das Opfer jährlich zu wiederholen. Von dem "Ochsenmorder" sei der genos der Thauloniden hervorgegangen. Ablauf des Rituals Der Ablauf des Opferritus ist durch mehreren Autoren (Pausanias, Porphyrios et al.) mit einigen Unstimmigkeiten beschrieben worden. Eine Reihe Ochsen (Porphyr zufolge sind diese von wassertragenden Mädchen begleitet) wird um einen Altar, der mit Getreide und Gebäck gedeckt ist, in Prozession geführt: Der erste Ochse, der von dem Getreide isst, wird auf der Stelle niedergeschlagen. Der "Ochsenschläger" – ein thaulonider – wirft den Beil oder Axt nieder, flieht und das Tier wird von anderen Teilnehmern zerlegt und gegessen. Anschließend findet im Prytaneion ein Streit statt, in dem die Beteiligten sich die Schuld an dem Mord des Ochsen aufeinander schieben: Die Wasserträgerinnen (das Wasser war für das Wetzen des Beils gedacht) beschuldigen die, die das Beil wetzen; diese beschuldigen diejenigen, die das Beil getragen haben, die wiederum den Schlachter des Mords beschuldigen. Ob der "Ochsenschläger" während des Streits verschwunden bleibt, ist nicht klar: Die Schuld wird schließlich dem Beil geschoben, das deswegen verflucht und ins Meer geworfen wird. Laut Porphyr wird am Ende des Rituals die haut des geopferten Ochsen ausgestopft, der Ochse aufgestellt und auf einem Pflug gespannt. Religiongeschichtliche Ansätze Die Eigentümlichkeit der Merkmale des Opfers im Ritual der Bouphónia ist – wie alle Forscher erschließen – der Hauptgrund dafür, dass der Ablauf des Rituals vergleichweise gut bekannt ist. Diese Merkmale sind in der Anthropologie und in der Religiongeschte Objekt verschiedener und vielfältiger Interpretationen. Wie mehrere Autoren hervorgehoben haben, ist gerade das Auftreten von Schuld und Streit als Teil einer sonst für die altgriechen so gewönlichen Handlung wie die Opferung eines Tiers, das die meisten Fragen aufwirft. Karl Meuli[1] hat die Eigentümlichkeit des Buphonienrituals heruntergespielt. Für Meuli weist das Ritual den üblichen Ablauf der Opferriten auf: Nur die "Unschuldskomödie" rund um die Tötung des Ochsen tritt hier überdeutlich hervor. Für Walter Burkert[2] spigelt das Ritual die angstliche Spannung und die Schuld wider, die jegliche Tötung mit sich bringt: insbesondere die eines überlebenswichtigen Zuchttiers. Die Schuldzuweisung zwischen den Teilnehmern und die endgültige Verbannung des Beils diene dazu, die ganze Gemeinschaft mit der Schuld zu belasten und schließlich davon zu entlasten. Diese Spannungen seien ein Ausdruck der Idee des Endes und des Neuanfangs, die typisch für das Neujahrsfest ist. Andere Interpreten[3] haben die Schuld des "Ochsenschlägers" als überlebende Erinnerung betrachtet, dass der Ochse stellvertretend für einen Menschen getötet wurde, oder hervorgehoben, dass die Tötung eines Arbeitstiers doch keine gewönliche Opferform für die Griechen war. Die Austossung eines unanimierten Gegenstands – des Beils – sei dagegen eine für die Athener normale rechtliche Handlung, wenn der Gegenstand den Tot eines Menschen verursacht hatte. René Girard[4] hat festgestellt, dass die Zufälligkeit in der Auswahl des Opfers und der Streit zwischen den Ritusteilnehmern dieselbe Elemente sind, die man in zahllosen Ritualen bei ethnologischen Gesellschaften beobachtet hat: Sie geben die ursprüngliche gesellschaftliche Krise wieder, die durch die Tötung eines Sündenbocks überwunden wurde. Anmerkungen
Literatur
Von "http://de.wikipedia.org/"
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