Bukolische Dichtung

Bukolische Dichtung (Bukolik, v. griech boukólos Rinderhirte) bedeutet "Dichtung, die sich auf das Leben der Rinderhirten (oder, im allgemeineren Sinne, auf Hirten aller Art) bezieht"

Aus den sizilisch-griechischen Hirtengesängen entstanden, wurde die Bukolik im Hellenismus zur literarischen Gattung. Einzuordnen ist sie in der Mitte zwischen dem Drama und dem Epos: Vom Epos borgt sie das epische Versmaß, den Hexameter. Die einzelnen Gedichte sind oft als Dialoge zweier Hirten aufgebaut, was ihr dramatischen Charakter verleiht. Als reizvoll galt die Gattung unter anderem aufgrund der Spannung zwischen ihrem heroischen Versmaß und ihrer Beschreibung alltäglicher Szenen einfacher, "unheroischer" Menschen.

Ihr bedeutendster Vertreter ist Theokrit, dessen Idylle (gr. Eidyllia, wörtl. "kleine Bildchen") in der Magna Graecia oder auf Kos spielen und sich durch einen mitunter kruden Realismus der Darstellung des Hirtenlebens auszeichnen. Auch Moschos und Bion schrieben bukolische Gedichte.

In der lateinischen Literatur wird die Bukolik von Vergil rezipiert, der den Schauplatz seiner Hirtengedichte (Eklogen) nach Arkadien verlegt. Der Realismus in der Schilderung des Hirtenlebens weicht einer Verklärung und Idealisierung desselben, eines (aus der Sicht des Stadtbewohners) idyllischen und sorgenfreien Lebens. Vergils Sichtweise hat die europäische nachfolgende Tradition der Gattung maßgeblich geprägt.

Weitere Dichter lateinischer Bukolik sind Calpurnius Siculus und Nemesian.

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