|
|
Verwaltungsbereich: Attika Nea Smyrni (griechisch Νέα Σμύρνη, (f. sg.); Neues Smyrna bzw. Neues Smyrni) ist eine griechische Stadt und Munizipalität (griechisch Δήμος Νέας Σμύρνης, Dimos Neas Smyrnis) im Präfekturbezirk Athen der Verwaltungsregion Attika. Die nur aus der Stadt Nea Smyrni bestehende Munizipalität ist Bestandteil der Metropolregion Athen-Piräus und zählt zu den südlichen Vorstädten der griechischen Hauptstadt. Nea Smyrni ist eine der zwanzig größten Städte Griechenlands bemessen an der Einwohnerzahl (17. Stelle). Geographie Die Munizipalität Nea Smyrni befindet sich in der attischen Ebene (Lekanopedio Attikis) unmittelbar südlich der griechischen Hauptstadt Athen. Nea Smyrni hat keine Küste am Saronischen Golf; der nächstgelegene Küstenabschnitt ist der von Paleo Faliro an der Bucht von Faliro. Im Norden grenzt Nea Smyrni an die Munizipalität Athen (Stadtteil Neos Kosmos), im Nordosten an die Munizipalität Dafni, im Osten und Südosten an die Munizipalität Agios Dimitrios, im Süden und Südwesten an die Munizipalität Paleo Faliro bzw. Faliro und im Westen und Nordwesten an die Munizipalität Kallithea. Die Grenze zwischen den Munizipalität Nea Smyrni und Kallithea ist die Hauptverkehrsachse Leoforos Syngrou. Geschichte Das heutige Gebiet von Nea Smyrni war vor dem 19. Jahrhundert als „Analatos“ („nicht gesalzen“) bekannt. Der Name wurde dem Gebiet durch eine Süßwasserquelle nahe der Kirche Agios Theodoros verliehen, an deren Stelle sich heute das Panionios-Stadion befindet. Am 24. April 1827 lieferten sich im Rahmen des Griechischen Unabhängigkeitskrieges griechische Aufständische und Truppen des Osmanischen Reichs ein Gefecht um die Eroberung der Akropolis; dieses Gefecht wird auch als „Schlacht des Analatos“ bezeichnet. Im Jahr 1898 erfolgte am 14. Februar auf dem heutigen Gemeindegebiet ein fehlgeschlagener Attentatsversuch auf den griechischen König Georg I. Aus Anlass des folgenlosen Verlaufes des Attentatsversuchs stiftete die Königin Olga von Griechenland die Kirche Agios Sosti. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war die Gegend von Nea Smyrni bzw. Analatos de facto nicht systematisch besiedelt. Eine erste systematische Besiedlung von Nea Smyrni erfolgte Anfang des 20. Jahrhunderts nach der Eröffnung der Straße von Athen nach Paleo Faliro. Nach der „kleinasiatischen Katastrophe“, der griechischen Niederlage im Griechisch-Türkischen Krieg 1922 mit dem nachfolgend im Vertrag von Lausanne 1923 zwischen Griechenland und der Türkei vereinbarten „Bevölkerungsaustausch“ beschloss die griechische Regierung die Errichtung einer Siedlung für griechische Flüchtlinge aus Kleinasien auf dem Gebiet der heutigen Stadt Nea Smyrni. Der spätere griechische Ministerpräsident Nikolaos Plastiras unterschrieb am 14. August 1923, zwanzig Tage nach Unterzeichnung des Vertrages von Lausanne, die Verordnung zur Herstellung einer Flüchtlingsunterkunft jenseits des Leoforos Syngrou. Ein Jahr später trat die Verordnung zum „Neuen Plan von Athen“ (griechisch Νέο Σχέδιο Αθηνών) in Kraft, welcher die Errichtung einer städtischen Siedlung für die Flüchtlinge von Smyrna (griechisch Αστικό συνοικισμό των εκ Σμύρνης προσφύγων) vorsah. Der Bau der Siedlung begann 1926. Zwei Jahre später hatte Nea Smyrni lediglich 210 Einwohner; fünf Jahre später war die Einwohnerzahl auf 6.500 gestiegen und erreichte 1940 16.000 Einwohner. 1934 wurde Nea Smyrni eine eigenständige „Landgemeinde“ (griechisch κοινότητα, Kinotita). Ende April 1941 wurde Nea Smyrni von der Wehrmacht nach dem deutschen Angriff auf Griechenland am 6. April 1941 besetzt. Die deutsche Besatzungszeit dauerte bis Anfang Oktober 1944. Im gleichen Jahr wurde Nea Smyrni Munizipalität (Dimos) und erhielt auch den Namen Nea Smyrni offiziell, welcher an die griechischen Flüchtlinge der Stadt Smyrna (heutiges Izmir) erinnert, die Nea Smyrni bewohnten. Zwischen 1955 und 1960 begann der Bau von großen Mietshäusern (Polykatikies) um den zentralen Platz von Nea Smyrni und den Platz Chyrsostomou Smyrnis. Gleichzeitig dehnte sich die städtische Bebauung auf das gesamte Munizipalitätsgebiet aus und verschmolz mit der Bebauung der angrenzenden Munizipalität, insbesondere der Stadt Athen mit deren Stadtteil Neos Kosmos im Norden. Anhand der Bebauung können die Munizipalitätsgebiete von Athen und Nea Smyrni analog zur Situation im deutschen Ruhrgebiet nicht mehr unterschieden werden. Bevölkerungsentwicklung der Munizipalität Nea Smyrni (Daten nach Volkszählungen) Jahr Einwohner 1928 210 1991 und 2001 betrug der Anteil der Bevölkerung von Nea Smyrni an der des Ballungsraumes Athen-Piräus 2,03 bzw. 2,02 %. Verwaltung und Politik Verwaltung Die Munizipalität Nea Smyrni besteht einzig aus der Stadt Nea Smyrni. Diese kann in Nachbarschaften (Gitonies) im Sinne von Stadtteilen unterteilt werden. Stadtteile von Nea Smyrni sind: * Faros (Φάρος) * Agia Fotini (Αγία Φωτεινή) * Alsos (Άλσος) * Kendro (Κέντρο; Zentrum) * Chrysaki (Χρυσάκη) * Agia Paraskevi (Αγία Παρασκευή) * Mytilinaika (Μυτιληναίικα) * Loutra (Λουτρά) Die Stadtteile haben für die Munizipalität Nea Smyrni keine verwaltungsrechtliche Bedeutung. Die Munizipalität Nea Smyrni gehört zum Präfekturbezirk Athen der Verwaltungsregion Attika. Politik Gegenwärtiger Bürgermeister der Munizipalität Nea Smyrni ist Georgios Koutelakis.[2] Er wurde in den Kommunalwahlen am 15. bzw. 22. Oktober 2006 in seinem Amt als Kandidat der Partei SYRIZA bestätigt. Er erhielt im zweiten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen (59,52 %) der 27.043 abgegebenen Stimmen (Wahlbeteiligung 52,70 %). Die zweitplatzierte Eleonora Katseli-Kalogeropoulo der Partei PASOK erhielt 40,48 % der Stimmen. Im ersten Wahlgang am 15. Oktober konnte der Bürgermeister Koutelakis 34,74 % der Stimmen auf sich vereinigen. Auf die zweitplatzierte Eleonora Katseli-Kalogeropoulo entfielen 27,57 %, auf den drittplatzierten Efstathios Koupas der Partei Nea Dimokratia 26,58 % der Stimmen.[3] 2002 kandidierte der Bürgermeister noch als gemeinsamer Kandidat von PASOK und SYRIZA. In der Stichwahl gewann er gegen den Kandidaten der Nea Dimokratia mit 54,66 % zu 45,34 % der abgegebenen Stimmen.[3] Bei den griechischen Parlamentswahlen 2007 zählte Nea Smyrni zum Wahlkreis Athen II. Die Partei Nea Dimokratia, welche die Wahlen im gesamten Griechenland gewonnen hatte, bekam in Nea Smyrni 36,03 % der Stimmen (2004: 43,01 %; 2007 Griechenland gesamt: 41,83 %). Zweitplatzierte Partei war die PASOK mit 31,44 % der Stimmen (2004: 37,73 %, 2007 Griechenland gesamt 38,10 %). Drittplatzierte Partei war SYRIZA mit 11,92 % (2004: 7,79 %; 2007 Griechenland gesamt 5,04 %), welche damit ein Ergebnis weit über dem Landesdurchschnitt erreichte. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) erhielt 10,51 % der Stimmen (2004: 7,57 %; 2007 Griechenland gesamt 8,15 %). Die rechtsradikale LAOS-Partei vereinigte 5,00 % der Stimmen auf sich (2004: 2,78 %; 2007 Griechenland gesamt: 3,80 %).[4] Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr Infrastruktur Nea Smyrni besitzt alle Grund- (Dimotiko Scholio) und weiterführende Schulen (Gymnasio, Lykio) des griechischen Schulsystems einschließlich Berufsschulen. Diese verteilen sich auf: * 16 Grundschulen (Dimotika Scholia; Klasse 1 bis 6), davon zwei private Einrichtungen, * 13 weiterführende Schulen analog der deutschen Sekundarstufe I (Gymnasia; Klasse 6 bis 9), davon zwei private und eine kirchliche (evangelische) Einrichtungen sowie eine private Abendschule, und * zwölf weiterführende Schulen analog der deutschen Sekundarstufe II (Lykia; Klasse 10 bis 12), davon eine als Abendschule. Nea Smyrni verfügt über drei Berufsschulen (T.E.E.) und zwölf Kindergärten (Nipiagogia), davon eine Einrichtung in privater Trägerschaft, sowie 13 Kindertagesstätten (Pediki Stathmi). Eine Universität oder eine Fachhochschule befindet sich nicht auf dem Gebiet von Nea Smyrni. In Nea Smyrni haben die Botschaft von Armenien sowie das Honorarkonsulat von Äquatorialguinea in Griechenland ihren Sitz.[5] Nea Smyrni besitzt ein größeres Fußball- und Leichtathletik Stadion mit einem Fassungsvermögen von 11.700 Sitzplätzen (ursprüngliches Fassungsvermögen etwa 20.000 Zuschauer). Das Stadion wurde 1939 erbaut und beheimatet gegenwärtig die Profi-Fußballmannschaft von Panionios Athen. Weitere Sporteinrichtungen sind ein Schwimmbad sowie eine Sporthalle. Die Munizipalität verfügt nicht über ein Krankenhaus oder ein Gesundheitszentrum (Poliklinik). Patienten, welche einer stationären Behandlung bedürfen, müssen die Krankenhäuser und Gesundheitszentren der umliegenden Städte und Gemeinden in Anspruch nehmen. Die grundlegende medizinische Versorgung wird durch niedergelassene Ärzte vorgenommen. Auf die über 73.000 Einwohner kommen dabei drei Radiologen und zwei Diagnostikzentren, vier Gynäkologen, drei Gastroenterologen, zwei Hautärzte, fünf Kardiologen, fünf Mikrobiologen und Laborärzte, fünf Neurologen und Psychiater, 14 Zahnärzte, acht Orthopäden, drei Urologen, sechs Augenärzte, acht Ärzte für Allgemeinmedizin, vier Kinderärzte und zwei Kinderzahnärzte, zwei plastische Chirurgen, vier Pneumologen, zwei Rheumatologen, ein allgemeiner Chirurg, drei Hals-Nasen-Ohrenärzte und sieben Psychologen. Kultur, Sport, Persönlichkeiten Kultur Nea Smyrni ist Sitz eines Bistums (Mitropolis) mit einem Bischof (Metropoliten) der griechisch-orthodoxen Kirche Griechenlands an dessen Spitze. Nea Smyrni hat fünf griechisch-orthodoxe Kirchen: Agia Fotini, Agia Paraskevi, Agii Anargyri, Agios Charalambos und Agios Andreas. Bischof des Bistums ist seit 2002 Simeon (bürgerlich Periklis Koutsas).[6] Jährlich findet in Nea Smyrni das Kulturfestival „Ionische Feiern“ statt, welche von der Gemeindeverwaltung Nea Smyrnis ausgerichtet werden. Die Veranstaltungen finden zumeist im Park der Stadt und dem dort bestehenden Theater statt. Neben diesem verfügt Nea Smyrni noch über ein weiteres Theater. In der Munizipalität befinden sich fünf Kinos. Nea Smyrni ist Verlagsort für fünf Zeitungen, welche wöchentlich oder monatlich erscheinen. Sport Nea Smyrni ist Heimstatt von zwei professionellen Sportmannschaften. In der ersten griechischen Fußballliga spielt die Mannschaft von Panionios Athen (vollständiger griechischer Name „PAE Panionios Gymnastikos Syllogos Smyrnis“), welche zweimalig griechischer Pokalsieger wurde. Gegenwärtiger Trainer der Profifußballmannschaft ist der ehemalige deutsche Profifußballer Ewald Lienen. Die Basketball-Abteilung des gleichen Vereins spielt in der ersten griechischen Basketballliga. Persönlichkeiten * Georgios Anomeritis (* 1. August 1945, Nea Smyrni): Politiker der konservativen Partei Nea Dimokratia, im ersten Kabinett des Ministerpräsidenten Kostas Karamanlis (2000–2004) griechischer Minister für Landwirtschaftlichen Aufschwung und Lebensmittel (Agrarminister).
Von "http://de.wikipedia.org/"
![]() |
|||||||||||||||||||