Xenophon

Thalatta! Thalatta!
Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer!
Sei mir gegrüßt zehntausendmal,
Aus jauchzendem Herzen,
Wie einst dich begrüßten
Zehntausend Griechenherzen,
Unglückbekämpfende, heimatverlangende,
Weltberühmte Griechenherzen.
Heinrich Heine

Xenophon (* um 426 v. Chr., † nach 355 v. Chr.) war ein aus Athen stammender Schriftsteller und Politiker.

Leben

Xenophon gehörte in seiner Jugend zum Schülerkreis um den Philosophen Sokrates und stand den oligarchischen Kreisen Athens nahe.

Während des Bürgerkriegs im Perserreich, ausgelöst durch den Aufstand Kyros' des Jüngeren gegen seinen Bruder Artaxerxes II., nahm er an dem Feldzug des Kyros im Gefolge eines griechischen Söldnerheeres teil. Kyros siegte, fiel aber in der Schlacht bei Kunaxa (am Euphrat in Nordmesopotamien) im Jahr 401 v. Chr. Bei den Verhandlungen mit der persischen Seite verloren die nunmehr auftraglosen griechischen Söldner durch Meuchelmord ihr gesamtes Offizierskorps. Xenophon (der eher aus Abenteuerlust einen Freund begleitet hatte) ermutigte jedoch die Truppe zum Abmarsch auf der gefährlichen Nordroute ("Zug der Zehntausend") durch Anatolien (harte Kämpfe mit den dort ansässigen Karduchen) und führte sie als gewählter strategos (~ Feldherr) mit an. Berühmt als literarischer und historischer Topos für eine „Rettung nach langer Mühsal“ wurde, als das ganze Heer auf der letzten Hügelkette vor dem Schwarzen Meer in den Ausruf „Thálatta! Thálatta!“ (griechisch: „das Meer!“) ausbrach und auf ein Mal zu laufen begann.

Nach dem Justizmord an seinem Lehrmeister Sokrates wandte sich Xenophon von seiner Vaterstadt Athen ab und wurde ein Freund des spartanischen Königs Agesilaos, kämpfte auch mit ihm gegen seine Heimat Athen, in die er lange nicht zurückkehren durfte. Große Teile seines weiteren Lebens verbrachte er als Schriftsteller und Gutsherr auf der Peloponnes; daher auch seine vorzüglichen Kenntnisse von Landwirtschaft und Viehzucht.

Werke

  • Anábasis (wörtlich: „Hinaufmarsch“), Bericht über den „Zug der 10.000“ in das Perserreich und zurück
  • Helleniká, Geschichte Griechenlands ab 411 v. Chr. (direkter Anschluss an das Werk des Thukydides) bis 362 v. Chr.
  • Agesiláos, Lobschrift auf den spartanischen König
  • Apologie des Sokrates, hypothetische Verteidigungsrede des Philosophen vor seinen Richtern
  • Memorabilien (Apomnemoneumata), Erinnerungen an Sokrates
  • Oikonomikós, Lehrbuch der Hauswirtschaft
  • Sympósion, Dialog ähnlich dem gleichnamigen Werk Platons
  • Kyrupädie („Erziehung des Kyros“), Schrift zur politischen Bildung über den als idealen Herrscher dargestellten persischen Großkönig Kyros II.
  • Hieron, Dialog über die Tyrannis
  • Der Staat der Lakedaimonier, Beschreibung der - von ihm geschätzten - spartanischen Verfassung und Lebensweise
  • Kynegetikos, Abhandlung über die Jagd, vor allem mit Hunden
  • Hipparchikós, Abhandlung über die Aufgaben eines Reiteroffiziers
  • Peri hippikés, Abhandlung rund um das Pferd
  • Über die Staatseinkünfte, Vorschläge zur Verbesserung der angeschlagenen Volkswirtschaft Athens

Fortleben

Xenophons Werke, insbesondere die sokratischen Schriften und die Anabasis, waren unter anderem wegen ihrer nüchtern-klaren Sprache lange Zeit eine beliebte Lektüre, insbesondere für den Schulunterricht. Da Xenophon teilweise Augenzeuge der berichteten Ereignisse war, ist er eine wichtige Quelle für die griechische Geschichte des 4. Jahrhunderts v. Chr. Auch für die Philosophiegeschichte ist er von Bedeutung als kritische Ergänzung zur Darstellung des Sokrates in den Werken Platons. Seine Werke Hipparchikos und Über die Reitkunst werden heute vielfach als Grundlage der Hippologie gesehen. Die dort zu findenden Hinweise haben auch heute noch unverändert Gültigkeit.

Gastmahl (Symposion)

Xenophon, Der Zug der Zehntausend, Bernhard Zimmermann, Walter Müri, Artemis , April 2003 , ISBN: 3760841058

Stefan Rebenich (Hg.): Xenophon. Die Verfassung der Spartaner (Texte zur Forschung, Bd. 70), übersetzt und erläutert von Stefan Rebenich, Darmstadt 1998, ISBN 3-534-13203-3.

Weblinks

Symposion und Auszüge aus den Memorabilien, in deutscher Übersetzung (http://gutenberg.spiegel.de/autoren/xenophon.htm)

Xenophon Texte (englisch)


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