Theopompos

Theopompos, griechisch: Θεόπομπος (* um 378/377 v. Chr. auf Chios; † zw. 323 und 300 v. Chr. in Alexandria (?)) war ein griechischer Geschichtsschreiber und Rhetoriker.

Leben

In früher Jugend scheint Theopompos einige Zeit in Athen verbracht zu haben, gemeinsam mit seinem Vater, der wegen seiner Sympathien für Lakonien verbannt war. Hier wurde er ein Schüler des Isokrates und macht schnell Fortschritte in der Rhetorik; es wird berichtet, dass Isokrates zu sagen pflegte, Ephoros von Kyme brauche Ansporn, Theopompos hingegen lediglich ein Bröckchen (Cicero, Brutus, 204).

Anfangs scheint Theopompos epideiktische Reden verfasst zu haben, in denen er solch eine Fertigkeit erlangte, dass er 352/351 den von Artemisia zu Ehren ihres Ehemanns gestifteten Preis für Redekunst erhielt, obwohl Isokrates unter den Wettbewerbern war. Es wird gesagt, es sei der Rat seines Lehrers gewesen, der schließlich seine Zukunft als Historiker bestimmte – eine Karriere, für die er infolge seines Vaters und seiner umfangreichen Kenntnisse der Menschen und Orte besonders geeignet sei. Durch die Einflussnahme von Alexander dem Großen konnte er um 333 v. Chr. nach Chios zurückkehren, wo er eine Zeit lang der Anführer der aristokratischen Partei seiner Vaterstadt war. Nach Alexanders Tod wurde er erneut verbannt, nahm Zuflucht bei Ptolemaios I. in Ägypten, wo er anscheinend recht kühl empfangen wurde. Sein Todesjahr ist unbekannt.

Werk

Die Schriften des Theopompos sind hauptsächlich historischer Natur und werden von späteren Autoren häufig zitiert. Zu ihnen gehören ein Auszug von Herodots Geschichte (dessen Echtheit zweifelhaft ist), die Hellenika (Hellenikai istoriai), die Geschichte Philipps (Philippikai istoriai), und verschiedene Lobschriften und mahnende Texte, darunter vor allem der Brief an Alexander. Die Hellenika behandelt die Geschichte Griechenlands in zwölf Büchern von 411 v. Chr. (das Jahr, in dem Thukydides abbricht) bis 394 v. Chr., dem Jahr der Schlacht von Knidos (vgl. Diodorus Siculus xiii. 42, mit xiv. 84). Von seinen Werken waren bis 1907 nur wenige Fragmente bekannt. Das Papyrus-Fragment eines griechischen Geschichtsschreibers des 4. Jahrhunderts, von B. P. Grenfell und A. S. Hunt entdeckt, und von ihnen in den Oxyrhynchus Papyri, Band v. (Oxford, 1908) publiziert, wurde von Eduard Meyer, Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff und Georg Busolt als Teil der Hellenika erkannt. Diese Identifikation wurde von Friedrich Blass, John Bagnell Bury, E. M. Walker und anderen angezweifelt, von denen die meisten das Fragment, bei dem es sich um einen umfangreichen Bericht zum Jahr 395 v. Chr. handelt, Kratippos zuschreiben.

Eine wesentlich stärker ausgearbeitete Schrift war die Geschichte von Philipps Regierung (360-336) mit Abschweifungen über die Namen und Sitten der verschiedenen Völker und Länder, über die er so viele Gelegenheiten zu sprechen hatte, dass Philipp V. später den Umfang der Geschichte von 58 auf 16 Bücher reduzierte, indem er die Teile wegließ, die keine Beziehung zu Makedonien hatten. Es war die Geschichte des Pompeius Trogus (von dessen Historiae Philippicae der Auszug von Junianus Justinus existiert), aus dem viel von diesem Material abgeleitet wurde. 53 Bücher gab es noch zur Zeit des Photius (9. Jahrhundert), der sie las und seinerseits einen Auszug des 12. Buchs hinterließ. Verschiedene Fragmente, hauptsächlich Anekdoten und Zusammenfassungen verschiedener Art zu den Charakteren von Ländern und Individuen, wurden von Athenaios, Plutarch und anderen überliefert. Vom Brief an Alexander besitzen wir ein oder zwei Fragmente, die von Athenaeus zitiert werden, in denen die Sittenlosigkeit und Ausschweifungen des Harpalus streng getadelt werden.

Der Angriff auf Platon und die Abhandlung Über Pietät, die manchmal als getrennte Werke gesehen werden, waren vielleicht nur zwei der vielen Abschweifungen in der Geschichte Philipps; einige Autoren haben ihre Authentizität bezweifelt.

Der verleumderische Angriff auf die drei Städte Athen, Sparta und Theben wurde von seinem Gegner Anaximenes vom Lampsakos unter Theopompos’ Namen veröffentlicht. Die Natur der erhaltenen Fragmente erzeugt unterschiedlichste Kritik der Antike an Theopompos. Ihr Stil ist klar und rein, voller ausgewählt deutlicher Ausdrücke, ihm mangelt aber Gewicht und Würde. Die kunstvolle Einheitlichkeit dieses Werks leidet schwer unter den bereits erwähnten häufigen und länglichen Abschweifungen

Das Wichtigste war, dass erkannt wurde, dass Über die athenischen Demagogen im 10. Buch der Philippica, das bittere Angriffe auf viele athenischen Staatsmänner enthält, von Plutarch in einigen seiner Biographien frei benutzt wurde.

Ein weiterer Fehler des Theopompos war seine exzessive Vorliebe für romantische und unglaubliche Geschichten; eine Sammlung dieser Art wurde später produziert und unter seinem Namen veröffentlicht. Auch wurde er wurde in der Antike schwer gerügt wegen seiner Mäkeleien, und quer durch die Fragmente ist kein Merkmal auffälliger als dieses. Im Ganzen scheint er jedoch halbwegs unvoreingenommen zu sein. Philipp selbst tadelt er streng wegen Trunkenheit und Sittenlosigkeit, während Demosthenes sein ganzes Lob erhält.

Meropis

Literatur

Die überlieferten Fragmente von Theopompos sind zu finden bei: Felix Jacoby, Die Fragmente der griechischen Historiker (FGrHist), Nr. 115.

  • Michael A. Flower: Theopompus of Chios. History and Rhetoric in the Fourth Century BC. Oxford 1994. ISBN 0-19-814079-7 (engl.)
  • Rudolf Hirzel: Zur Charakteristik Theopomps. In: RhM 47 (1892), 359-389.
  • Italo Lana: L´utopia di Teopompo. In: Paideia. Rivista letteraria di informazione bibliografica 6 (1951), 3-22. (ital.)
  • Gordon S. Shrimpton: Theopompus the Historian. Montréal (u.a.) 1991. ISBN 0-7735-0837-6 (engl.)

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