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Pythagoras von Samos war ein griechischer Mathematiker und Philosoph, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte, genauere Daten sind nicht bekannt. Direkt von ihm verfasste Werke sind nicht überliefert, da die Schule der Pythagoreer zur Geheimhaltung verpflichtet war. Pythagoras' Lebenslauf wurde nur mündlich weiter gegeben und erst etwa 900 Jahre später niedergeschrieben, so dass sich sämtliche heute geläufigen, fast ausnahmslos nachplatonischen Beschreibungen seines Lebens und Wirkens auf wenige authentische Quellen stützen können. Das Leben des Philosophen Unter den verschiedenen Versionen über Pythagoras' Leben wird folgendes erzählt: Pythagoras von Samos wurde auf der Insel Samos vor der griechischen Küste geboren. In seiner Jugend unternahm er eine Reise nach Mesopotamien und auch Ägypten, wo er studierte. Nach zwanzig Jahren des Reisens hatte sich Pythagoras alle mathematischen Regeln der damals bekannten Welt angeeignet. Auf seine Heimatinsel Samos zurückgekehrt, musste er bald wieder fliehen, da seine Ansichten über gesellschaftliche Reformen vom Tyrannen Polykrates nicht geteilt wurden. Um 532 v. Chr. ließ sich Pythagoras im süditalienischen Kroton nieder. Dort fand er in Milon, dem reichsten Bürger der Stadt, einen idealen Mäzen, der zugleich auch einer der kräftigsten Männer der Geschichte war. Pythagoras Ruf als Weiser von Samos hatte sich zu der Zeit schon in ganz Griechenland verbreitet, aber Milon war noch berühmter. Er war ein Mann von herkuleischer Gestalt, der - was niemandem vorher gelungen war - bei den Olympischen Spielen zwölf Siege errungen hatte. Neben der Athletik schätzte und praktizierte Milon auch Philosophie und Mathematik. Milon stellte ihm einen Teil seines Hauses zur Verfügung, groß genug, um darin eine Schule aufzubauen. Hier gründete Pythagoras eine religiös-philosophisch-politische Gemeinschaft von sechshundert Anhängern, zu der auch mehrere Frauen gehörten. Sie nannte sich 'pythagoräischer Bund' und ihre Mitglieder bezeichneten sich später als Pythagoreer. Pythagoras Lieblingsschülerin war Theano von Kroton, eine Tochter Milons, und trotz des Altersunterschieds heirateten beide. Während der sechsundsiebzigsten Olympiade (510 v. Chr.) kam es in der nahegelegenen Stadt Sybaris zu einem Aufstand, der niedergeschlagen wurde. Die Rädelsführer flüchteten nach Kroton, sollten aber ausgeliefert werden. Milon und Pythagoras riefen die Bürger dazu auf, die Flüchtlinge zu schützen. Von Sybaris aus wurde daraufhin ein Heer von 300.000 Mann gegen Kroton geschickt, das von Milon mit 100.000 bewaffneten Bürgern verteidigt wurde. In einem siebzigtägigen Krieg gewann Milon die Oberhand. Zur Vergeltung leiteten die Krotoner den Fluss Crathis um, dessen Wasser Sybaris überflutete und die Stadt zerstörte. Nun herrschte in Kroton Aufruhr um die Frage der Kriegsbeute. Die einfache Bevölkerung befürchtete, die pythagoräische Elite könnte die erbeuteten Ländereien allein für sich beanspruchen. Neid, Furcht und Verschwörungsängste, die den geheimniskrämerischen Bund umgaben, machten sich Luft. Aufgehetzt durch Kylon, einen abgewiesenen Kandidaten der Gemeinschaft, umzingelte der wütende Mob das Haus Milons und die angrenzende Schule. Alle Türen wurden verschlossen und verrammelt, um die Flucht der Bewohner zu verhindern, und dann begann das Mordbrennen. Milon konnte durch das Inferno entkommen, Pythagoras und viele seiner Schüler aber starben in den Flammen. Pythagoras Frau Theano überlebte und führte die Schule weiter, ebenso später ihre gemeinsame Tochter Damo. Betätigungsfelder Während uns Pythagoras heute in erster Linie als Mathematiker in Erinnerung ist, so hatte er und seine Schule weiterhin entscheidenden Einfluss auf die Ausbildung des abendländischen Tonsystemes (siehe auch Pythagoräisches Komma). Von seinen Zeitgenossen wurde er wohl in erster Linie als religiöser Prophet betrachtet. Für seine Anhänger, die Pythagoreer, gehörten die Musik, die Harmonie und die Zahlen unlösbar zusammen (Harmonik). In seiner Philosophie sind auch indische Einflüsse merkbar, so etwa in seinem Glauben an die Seelenwanderung. Sie erhoben die Seele in die Nähe des Göttlichen, und nur so konnte man dem Kreislauf der Wiedergeburt entgehen. Aber aus dieser mystischen Lehre entwickelte sich die exakte Wissenschaft, wobei heute nicht mehr klar zu trennen ist, was von Pythagoras und was von seinen Schülern stammt. Lehre
Pythagoras knüpfte mit seiner Philosophie an Anaximander und seiner Lehre vom Apeiron an, ergänzte sie aber wesentlich, indem er die Zahl als zusätzliches Prinzip einführte. "Alles ist Zahl" - dieser Satz wird den Pythagoräern zugeschrieben, und er verdeutlicht, dass sie die Zahl als eine die gesamte Natur konstituierende Kraft betrachteten. Erstmals in der griechischen Philosophie wird diese Rolle damit einem abstrakten Prinzip zugeschrieben. In diesem Zusammenhang ist der Begriff der Inkommensurabilität wichtig. Der Überlieferung nach entdeckte ein Schüler von Pythagoras namens Hippasos an einer geometrischen Figur inkommensurable Strecken und wurde dafür auf Pythagoras Anordnungen ertränkt. Gleichgültig, ob diese Geschichte der Wahrheit entspricht oder nicht – die Existenz inkommensurabler, d.h., nicht "mit einem gemeinsamen Maß messbarer" Strecken war eine mit dem Weltbild der Pythagoräer schwer vereinbare Entdeckung. Denn sie bedeutet, dass es Strecken gibt, für die das Verhältnis der Längen nicht durch natürliche Zahlen ausgedrückt werden kann (in heutiger Sprechweise: das Verhältnis ist nicht rational, sondern irrational). Man nimmt an, dass dieser Umstand am Pentagramm, einem für die Pythagoräer wichtigen Symbol, mittels Wechselwegnahme (der geometrischen Version des euklidischen Algorithmus) gemacht wurde: Das Verhältnis der Seite zur Diagonale ist beim regelmäßigen Fünfeck irrational. Es kann aber auch sein, dass die Inkommensurabilität am Quadrat (Seite und Diagonale) entdeckt wurde, entweder ebenfalls geometrisch, oder mit Hilfe des pythagoräischen Lehrsatzes und dem bei Euklid zu findenden zahlentheoretischen Beweis (heute: ist irrational). (Der "pythagoräische Lehrsatz", auch "Satz des Pythagoras", über das rechtwinkelige Dreieck ist allerdings wesentlich älter. Er verdankt seinen Namen der Zuschreibung durch Euklid.) Gut bekannt ist auch heute noch die schon im Altertum vielbelächelte Ansicht, in Bohnen würden menschliche Seelen reinkarnieren, und daher sei das Essen von Bohnen mit Mord gleichzusetzen. Vermutlich hat Pythagoras viel von seinem Gedankengut von den Ägyptern oder gar den Persern übernommen - die Überlieferungen berichten, er sei von ägyptischen Priestern eingeweiht worden oder habe an den orphischen Mysterien teilgehabt. Die Seefahrer, mit denen er unterwegs war, hielten Pythagoras für ein göttliches Wesen, da die Überfahrt wider Erwarten ruhig verlief. In Ägypten ließ er sich mit Fleiß über jede Lehre unterrichten und verweilte dort 22 Jahre lang bei Sternkunde, Geometrie und Einweihung in alle Göttermysterien. Sicher ist aber, dass zwischen der Mysterienschule der Pythagoräer und dem Geheimkult der orphischen Mysterien enge Beziehungen bestanden. Zum Teil sind die Lehren dieser beiden esoterischen Gesellschaften sogar identisch, so weit sich dies heute noch feststellen lässt -- viele Details antiker Geheimlehren wurden nur mündlich weitergegeben und sind somit heute vergessen.
Briefmarke, Pythagoras, San Marino
Pythagoras: Leben, Lehre, Nachwirkung ; eine Einführung, Christoph Riedweg Pythagoras und der Pythagoreismus, Heike Sauer Pythagoras in der Spätantike, Gregor Staab Pythagoras in der Musiktheorie des Mittelalters, Sascha Becker Literatur Primärtexte
Sekundärliteratur
Weblinks
Siehe auch: Autos epha Von "http://de.wikipedia.org/"
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