Plutarch

Plutarch (griechisch: Πλούταρχος, lateinisch: Plutarchus; * um 45 in Chaironeia; † um 125) war ein griechischer Schriftsteller, bekannt vor allem durch seine biografischen und philosophischen Werke.

Leben

Plutarch in seinem historischen Kontext

Plutarch lebte um 45 bis ca. um 125 in einer Periode des römischen Reiches, in der die römische Macht unbestrittene Realität war. Ernsthafte äußere Gegner gab es für Rom nicht mehr. Griechenland wurde von römischen Beamten regiert, denn 146 v.Chr., nach der Eroberung Korinths durch den römischen Feldherrn Mummius, hatte Griechenland seine politische Selbstständigkeit und Freiheit endgültig verloren und war nun römische Provinz.

Widmung einer Statue Plutarchs von den Einwohner von Delphi und Chaironeia

Geboren und ausgebildet wurde Plutarch unter der Herrschaft Neros. Den Haupteil seines Lebens verbrachte er unter den Flaviern von 69 bis 96 und sein hohes Alter, die Zeit der Entstehung des Hauptteils seiner Werke, verlebte er unter Nerva, Trajan und Hadrian. Er dürfte in der Regierungszeit Hadrians gestorben sein. Nach seinem Tod errichteten die Delphier zusammen mit seiner Heimatstadt Chaironeia eine Büste mit seinem Portrait.

Familie und Ausbildung

Plutarch stammte aus Chaironeia in Böotien. Dort wuchs er zusammen mit zwei Brüdern (Lamprias und Timon) in einer wohlhabenden und angesehenden Familie auf. Seine Familie lebte schon seit vielen Jahren in Chaironeia und legte viel Wert auf Bildung. In seinen Schriften äußert Plutrach sich besonders positiv über seinen Großvater Lamprias. Entgegen der postiven Darstellung Plutarchs über seinen Großvater wird sein Vater Autobulos nüchtener dargestellt. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass er in philosophischen Dingen nicht so versiert war wie sein Großvater. Seine Mutter hat Plutarch nie erwähnt, es wird angenommen, dass sie früh verstorben ist. Da seine Familie sehr wohlhabend war, konnte er im weiteren Lebensverlauf zahlreiche Reisen machen und erhielt eine sehr gute Ausbildung in Athen beim Philosophen Ammonios. Sein Lehrer machte ihn mit der platonischen Philosophie vertraut und bildete ihn umfassend. In Athen wurde er mit verschiedenen Philosophenschulen bekannt, (vor allem der Stoa und dem Platonismus). Diese Begegnung mit Ammonios war prägend für sein weiteres Leben. Nach der Ausbildung in Athen ging er wieder nach Chaironeia zurück.

Leben in Chaironeia

Es findet sich keinerlei Notiz darüber, wann Plutarch geheiratet haben soll. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass er die Ehe gemäß der Sitte in ziemlich jungen Jahren geschlossen hat, wohl vor Vollendung des 25. Lebensjahres. Mit seiner Ehefrau Timoxena führte Plutarch eine glückliche Ehe und lebte mit ihr auf dem ererbten väterlichen Gut. Es blieb die einzige Ehe. Mit seiner Frau hat Plutarch vier Kinder und schließlich eine Tochter, die nach der Frau Plutarchs benannt wurde, da sich Timoxena sehr ein Mädchen wünschte. Allerdings starb die kleine Timoxena mit zwei Jahren. Auch der älteste Sohn Soklaros muss kurz nach dem 12. Lebensjahr gestorben sein, weil er in den Quellen Plutarchs nicht mehr erwähnt wird. Deshalb wird davon ausgegangen, dass nur die beiden Söhne Autobulos, der nach dem Großvater benannt wurde, und Plutarchos den Vater selbst überlebten.

In Chaironeia selbst übernahm Plutarch zahlreiche Ämter. Er war Leiter der Baupolizei und des öffentlichen Bauwesens und hatte zahlreiche priesterliche Ämter in seiner Heimatstadt Chaironeia innegehabt. Seit etwa 95 n. Chr. übernahm er ein Priesteramt am Apollontempel von Delphi. Zusätzlich leitete Plutarch in seinem Heimatort eine Privat-Akademie. An dieser Akademie beteiligten sich nicht nur Angehörige seiner Familie sondern auch zahlreiche Freunde und deren Verwandte, später schließlich auch Leute von außerhalb, die ihre Söhne zur Schule Plutarchs nach Chaironeia geschickt haben. In der Akademie wurde philosophischer Unterricht erteilt, zum einen durch philosophische Vorträge, zum anderen in Dialogform. Die Werke Platons spielten hierbei eine wichtige Rolle. Die Ethik stand im Mittelpunkt. Zusätzlich wurden Themen zur Politik, Mathematik, Musik, Astronomie diskutiert. Bald bildete sich an der Akademie ein großer Freundes- und Bekanntenkreis.

Reisen

In seinem Leben unternahm Plutrach viele Reisen, obwohl er den größten Teil seines Lebens in Chaironeia verbrachte und seinem Heimatort sehr verbunden war.

Nach dem Abschluss seines Studiums in Athen und der Rückkehr nach Chaironeia übernahm Plutarch schon als junger Mann politische Tätigkeiten. Beispielsweise nahm er mehrere Magistraturen (Ämter) in der Provinz Achaia (Griechenland) wahr. Auf ausgedehnten Reisen besuchte er die griechische Heimat, Asien, das ägyptische Alexandria und mehrmals Rom. In Rom hielt er öffentlich vor größeren Publikum philosophische Vorträge auf griechisch. Erst im späteren Lebensalter las er lateinische Autoren. In Rom konnte er auch zahlreiche freundschaftliche Kontakte zu prominenten Römern schließen. Von seinem Freund Mestrius Florus nahm er den römischen Gentilnamen Mestrius an. Sein römischer Name ist daher Mestrius Plutarchus. Allerdings bleibt offen, wann dies geschehen ist und ob die Verleihung des römischen Bürgerrechts bei seinen Aufenthalten in Rom erfolgt ist oder schon vorher. Plutarch erwähnt selbst in seinen Schriften seinen römischen Namen und sein römisches Bürgerrecht nie. Es wird vermutet, dass er sich doch zu sehr als Grieche fühlte. Durch die Freundschaft zu Sosius Senecio, einem Freunde und Vertrauten des Kaisers Trajan, soll er die consularische Würde verliehen bekommen haben. Die consularische Würde soll Plutarch Mitbestimmungsrechte bei dem Statthalter in Illyrien gegeben haben. Dies ist allerdings in der Forschung umstritten, da es keine Aufschlüsse über die staatsrechtlichen Funktionen und Rechte gibt, die Plutarch hiermit erhalten haben soll. Über diese Ehrung erhalten wir zudem keine Rückschlüsse in seinen Schriften.

Plutarch stammte aus Chaironeia in Böotien, wo er auch einen großen Teil seines Lebens verbrachte. Er studierte in Athen, wo er mit verschiedenen Philosophenschulen bekannt wurde, (vor allem der Stoa und dem Platonismus), und besuchte mehrmals Rom. Er war hochgebildet und hatte eine enzyklopädische Ader, die dem Hellenismus eigen gewesen war. Obwohl er das römische Bürgerrecht erhielt, fühlte er sich stets als Grieche. Dennoch nahm er mehrere Magistraturen (Ämter) in der Provinz Achaia (Griechenland) wahr. Am Apollontempel von Delphi übernahm er ein Priesteramt.

Werke

Die Werke Plutarchs werden gewöhnlicherweise in zwei große Schriftengruppen unterteilt.


Biographien

1. Die historischen – biographischen Arbeiten

Hierzu zählen die Caesarenviten bzw. Kaiserviten. Diese sind Biografien der römischen Kaiser von Augustus bis Vitellius (nur die von Galba und Otho sind erhalten) von Tiberius und Nero besitzen wir Fragmente. Diese Caesarenviten wurden wahrscheinlich unter den Flaviern veröffentlicht. Oder unter Nerva (96-98n.Chr.).Die Caesarenviten sind auf alle Fälle vor den Parallelviten entstanden.

Als nächstes folgen die Vitae. Die Bíoi parálleloi (Vitae parallelae, „Parallele Lebensbeschreibungen“). Sie wurden ab 96 n. Chr. begonnen. In diesen Vitenpaaren wird jeweils ein herausragender Grieche mit einem Römer verglichen. In den Bioi Paralleloi behandelt Plutarch die wichtigsten Staatsmänner der Vergangenheit von Theseus bis Mark Anton. Dies sind 23 Biografienpaare (οἱ βίοι παράλληλοι), die jeweils einen Griechen und einen Römer zusammenstellen, deren Leben gewisse Ähnlichkeiten aufweisen (z. B. Alexander der Große und Caesar, Demosthenes und Cicero). Plutarch hat seine Figuren mit negativen und positiven Eigenschaften beschrieben und einige große antike Persönlichkeiten haben trotz ihres Einflusses und ihrer Größe genügend moralische Mängel, um schließlich auch als abschreckende Beispiele zu dienen z.B. Plutarchs Demetrios. In den meisten Fällen ist die Beurteilung jedoch ausgewogender. Die 22 erhaltenen Paare lauten: Alexandros-Caesar, Dion-Brutus, Demetrios-Antonius, Agesilaos-Pompeius, Nikias-Crassus, Theseus-Romulus, Lykurgos-Numa, Solon-Poplicola, Aristeides-Cato Maior, Themistokles-Camillus, Kimon-Lucullus, Perikles-Fabius Maximus, Alkibiades-Coriolanus, Lysandros-Sulla, Pelopidas-Marcellus, Timoleon-Aemilius Paulus, Demosthenes-Cicero, Phokion-Cato Minor, Eumenes-Sertorius, Pyrrhos-Marius, Philopoimen-Flamininus, Agis/Kleomenes-Gracchen. Die Datierung der Bíoi parálleloi ist ungewiss. Das verlorene Vitenpaar Epameinondas-Scipio bildet allerdings den Beginn der ganzen Reihe der Parallelviten. Dennoch bleibt bei Scipio unsicher, ob es sich um den Hannibalsieger oder um den Aemilianus handelte. Jedoch gibt Plutarch bei drei Vitenpaaren Auskunft durch Selbstzitate und Querverweise in den einzelnen Biographien über die chronologische Abfolge. So soll Demosthenes-Cicero das fünfte Paar sein, Perikles-Fabius Maximus das zehnte bzw. Dion-Brutus das zwölfte Paar der Bíoi parálleloi sein.

Außerhalb der Parallelviten, jedoch von ähnlichen Umfang, gehören einzelne Biografien verschiedener Personen, vor allem Griechen; erhalten sind die Darstellungen des Großkönigs Artaxerxes II. und von Arat von Sikyon.

Philosophische Schriften

2. Die zweite große Gruppe sind die philosophischen Schriften

Es sind etwa 80 im weitesten Sinne philosophische Schriften (Moralia), vor allem zur Ethik, aber auch zu naturwissenschaftlichen und religiösen Themen, teilweise in Form von platonischen Dialogen. Die Moralia übten großen Einfluss auf den französischen Schriftsteller Montaigne aus, für dessen Essais Plutarchs Werk als Vorbild diente.

Zweck der Biographien Plutarchs

Plutarch sieht sich mehr als Biograph und keineswegs als Historiker und grenzt seine biographische Arbeit auch deutlich von der Geschichtsschreibung ab.

So sagt er beispielsweise in der Einleitung seiner Alexander-Caesar- Biographie:

(Alex,1,2) „Denn ich bin nicht Geschichtsschreiber, sondern Biograph, und es sind durchaus nicht immer die großen Heldentaten, in denen sich die Tüchtigkeit oder die Verworfenheit offenbart. Oft sagt ein unbedeutender Vorfall, ein Ausspruch oder ein Scherz mehr über den Charakter eines Menschen aus als die blutigsten Schlachten, die größten Heeresaufgebote und die Belagerungen von Städten.“

Plutarch selbst kam es vor allem darauf an, den Charakter der Personen, ihre Tugenden und Fehler deutlich werden zu lassen. Seine, wie sie auf lateinisch heißen, Vitae (lat. 'Leben' pl.) sind unter bestimmten Aspekten zu betrachten. Zum einen wollte er mit seinen Parallelbiografien unterhalten. Des Weiteren wird in ihnen die moralische Qualität des Dargestellten herausgearbeitet. Zudem wollte er den Römern und Griechen die Kultur des jeweils anderen Volkes vermitteln. In den Hintergrund tritt dabei der Anspruch der chronologischen und geografischen Richtigkeit. Plutarch hat daher sein Material so ausgewählt, dass es dazu dient das Persönlichkeitsbild des Einzelnen zu verdeutlichen. Plutarchs Interesse gilt den Familien und dem Privatleben der Helden. Oft gibt ein Wort oder ein Scherz einen besseren Einblick in den Charakter einer Person als die großen Schlachten mit Tausenden von Toten oder die großen Feldschlachten oder Belagerungen von Städten. Allerdings möchte er das historische nicht aus seinen Biographien verbannen. Sind Großereignisse für die Persönlichkeit wichtig, werden diese auch von ihm erwähnt z.B. geht er auf die Großereignisse in seiner Nikias Biographie ein, da diese wichtig sind um den Charakter von Nikias kennen zu lernen. Das Historische wird in der Arbeit Plutarchs nicht ausgeschlossen jedoch knapp gehalten. Dieses verdeutlicht er auch in seiner Nikias-Biographie.

(Nik.1,5): „Die von Thukydides und Philistos berichteten Ereignisse, die zu übergehen unzulässig wäre, weil sie ja im höchsten Maß den Charakter und den von vielen großen Schicksalsschlägen umwölkten Gemütszustand des Mannes [Nikias]enthalten, habe ich in Kürze und nur soweit es nötig ist durcheilt, um nicht nachlässig und träge zu erscheinen, was aber von anderen gelegentlich aufgezeichnet oder auf alten Weihgeschenken und Volksbeschlüssen gefunden wurde und den meisten unbekannt ist, das habe ich mich zusammentragen bemüht, nicht um die Geschichte damit zu befrachten, sondern als Beigabe für die Erkenntnis des Charakters und der Sitten.

Diese Textpassage zeigt wie Plutarch seine Werke verstanden haben will. Er möchte einerseits nicht bekannten Historikern wie Thukydides oder Philistos nacheifern. Zusätzlich setzt er bei seinen Lesern voraus, dass diese sich mit den Werken von Thukydides und Philistos auskennen. Jedoch hält er es dennoch für nötig, die Hauptereignisse zumindest kurz zu erwähnen.

(Galba 2,5) "Das im Einzelnen genau zu berichten ist allerdings Sache der Ereignisgeschichte, was aber Bemerkenswertes in den Taten und Leiden der Kaiser vorgefallen ist, darf ich nicht übergehen."

Außerdem möchte er die bekannten Fakten durch entlegendes Quellenmaterial ergänzen. Damit sind für manche antike Persönlichkeiten die Biografien Plutarchs, die auf zumeist verlorenen historischen Werken beruhen, die ausführlichste Quelle, zumal Plutarch Zugriff auf Werke von Autoren hatte (und auch teilweise benennt), die uns nicht erhalten geblieben sind.


Umgang mit seinem Quellenmaterial

Plutarch las zwar die Autoren, die er zitierte, meist selbst; allerdings sind seine Zitate selten wörtlich übernommen. Meistens stammen sie aus seinem Gedächtnis und sind deshalb teilweise fehlerhaft. Zudem übernahm der Schriftsteller manche Zitate von dritten, ohne dies zu vermerken. Bei seinen Aufenthalten in Rom hatte Plutarch keine Zeit gehabt sich ausführlich mit der lateinischen Sprache zu beschäftigen. Erst später hat er angefangen lateinische Autoren zu lesen, als er für seine römischen Persönlichkeiten bei griechischen Autoren keine ausreichenden Informationen fand. Plutarch räumt selbst ein, dass seine Kenntnis der lateinischen Sprache unzureichend sei. Daher darf bezweifelt werden, dass er den Horaz ganz durchlesen konnte. Plutarch konnte kein klares Bild von ihm wohlbekannten Orten wiedergeben. Er kann beispielsweise kein klares und anschauliches Bild von seinem Heimatort Chaironeia aufzeigen. Auch wo er mehrmals in den Biographien von Alexandria spricht, kann er keine eigenen Beobachtungen in seine Werke einfließen lassen. Sein Sinn für geographische und topographische Dinge war nicht sehr stark entwickelt.

Zusammenfassend können drei weitere Haupttechniken der Quellenwiedergabe bei Plutarch festgestellt werden:

1. Auswahl und Auslassung: Im verhältnismäßig knappen Rahmen einer Biographie war es Plutarch kaum möglich,das gesamte Quellenmaterial, das ihm beispielsweise für das Leben Alexanders und Caesars zur Verfügung stand, auszuschöpfen.Jedoch sind Streichungen von historischen Informationen nicht immer auf einen sehr großen Umfang an Quellenmaterial zurück zu führen. Plutarch ließ Fakten ebenfalls weg, wenn er sie entweder für unwichtig oder gar nachteilig in Bezug auf das Charakterbild des Helden erachtete. Ein Beispiel: Die Nichterwähnung der römisch- parthischen Verträge über die Euphratgrenze kann somit nicht als mangelnde Kenntnis des Schriftstellers gedeutet werden. Es ist vielmehr eine bewusste Handlung, die in Plutarchs Zuneigung zu Pompeius begründet liegt.

2. Verkürzung und Ergänzung: Man findet in den Werken zahlreiche Beispiele, in denen er von ausführlichen Beschreibungen zu einem gerafften Überblick wechselt. Beispiel: Die knappe Schilderung des Syrienfeldzuges (Kap.39) und die ausführliche Darstellung der Schlacht von Pharsalos (Kap.68f. und 71f.) in der Pompeiusvita. Bestimmte Feldzüge werden sehr detailliert dargestellt, andere hingegen sehr oberflächlich. Das Mittel der Ergänzung verwendete Plutarch, vor allem um trockenen Berichten mehr Lebendigkeit zu verleihen.

3. Veränderung und Erfindung: Fast immer gab Plutarch, die in seinen Quellen überlieferten Fakten, einigermaßen korrekt wieder. Er schmückte sie allerdings mit eigenen Gedanken aus. Bei abweichenden bzw. widersprüchlichen Quellen zog er die Quellen vor, die ihm sachlich überzeugender erschienen. Ausnahmen sind jedoch künstlerische und moralische Gesichtspunkte. Hier bevorzugte er oft eine wenig glaubwürdigere Quelle, wenn diese seinen moralischen-biographischen Absichten besser entgegenkam.


Plutarchs Absicht als Quellenautor

Plutarch schrieb seine biographischen Schriften vorwiegend aus moralischen Beweggründen. Dies verdeutlicht er auch im folgenden Zitat:

(Aem. 1,1): „Daß ich mich daran machte, Biographien zu schreiben, beruht auf Anregungen, die mir von anderen zugetragen wurden, daß ich dabei blieb und bald Gefallen daran fand, geschah aus eigenem Antrieb, da ich, die Geschichte gleichsam als Spiegel benutzend, mein Leben zu ordnen und den Tugenden jener Männer anzugleichen versuchte.“

Die mächtigen Staatsmänner der Vergangenheit sollten nicht nur ihm Vorbild sein, sondern ebenso wollte er das gesamte Volk des Reiches auf den Pfad der Moral und der Größe führen. Mit der Gegenüberstellung eines Römers und eines Griechen beabsichtigte Plutarch zudem, den Römern wie den Griechen, die Kultur des jeweils anderen Volkes zu vermitteln. Der Schriftsteller war bemüht die Gleichwertigkeit der Völker darzulegen und zur Versöhnung der beiden großen Völker der Antike beizutragen. Plutarch zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er nicht "provinziell" zu seiner Zeit dachte sondern für damalige Verhältnisse schon als Kosmopolit bezeichnet werden kann. Er verbrachte zwar fast sein ganzes Leben in Chaironeia ist dennoch viel in der damailigen antiken Welt herumgekommen und wollte die beiden großen Völker, Griechen und Römer, durch seine Schriften vereinigen.


Nachwirkung

Schon zu Lebzeiten war Plutarch ein berühmter und angesehender Mann. Bereits kurz nach seinem Tod wurden Schriften auf seinen Namen gefälscht. Die literarischen Werke Plutarchs erfuhren im Laufe der Geschichte zahlreiche Neuerarbeitungen bzw. berühmte Autoren beschäftigten sich mit den Werken Plutarchs. Vor allem, weil Plutarch eine der wichtigsten Quellen für große griechische und römische Persönlichkeiten ist und weil der literarische Stoff über Helden und Heldensagen immer wieder neuaufbereitet wurde und die Menschen schon seit jeher begeistert hat. 1579 wurde Plutarch von Thomas North ins Englische übersetzt. In dieser Zeit orientierte sich auch Shakespeare in seinem Drama Julius Caesar zu großen Teilen an Plutarchs bíoi parálleloi, in denen das Leben je eines berühmten Griechen mit dem eines Römers gegenübergestellt wird. Auch Friedrich von Schiller begeisterte sich für Plutarchs Werke. In Schillers Die Räuber gibt Karl Moor (Die Räuber, 1. Akt, 2. Szene) seinem Ärger Ausdruck mit Mir ekelt vor diesem tintenklecksenden Säkulum, wenn ich in meinem Plutarch lese von grossen Menschen. Mit diesem Zitat verdeutlicht Schiller auch inhaltliche Merkmale des Sturm und Drang wie Kraftmeiertum, Freiheit und die Lust große Männer zu zeigen, aber auch große Bösewichte. Die Begeisterung für Plutarch hat auch Friedrich Nietzsche ergriffen. Nietzsche fordert die Menschen auf: «Sättigt eure Seelen an Plutarch und wagt es, an euch selbst zu glauben,indem ihr an seine Helden glaubt» Zweite Unzeitgemässe Betrachtung.


Textausgaben

  • Konrat Ziegler (Hrsg.): Große Griechen und Römer. 6 Bde. Zürich 1954. (Bibliothek der alten Welt) Zahlreiche Nachdrucke.
  • J. L. Marr (Hrsg.): Plutarchus, Life of Themistocles. Aris & Phillips, Warminster 1998. ISBN 0-85668-676-X

Zitate

  • Es zeugt von Bildung und Besonnenheit, wenn Männer sich bei anscheinendem Glück in ihrem Wesen nicht ändern und im Unglück ihre volle Würde bewahren.
  • Wer wenig bedarf, kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen."
  • Der Wein: ... ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneimitteln das Schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste.
  • Audacter calumniare semper aliquid haeret (lat. „Verleumde nur dreist, etwas bleibt immer hängen“)
  • Zitat eigentlich von Francis Bacon, umgeformt schon vor ihm nach dem Original ... θαρροῦντας ἅπτεσθαι καὶ δάκνειν ταῖς διαβολαῖς, διδάσκων ὅτι, κἂν θεραπεύσῃ τὸ ἕλκος ὁ δεδηγμένος, ἡ οὐλὴ μενεῖ τῆς διαβολῆς. (griech., „... kühn mit Verleumdungen zu packen und zu beißen, so dass auch wenn der Gebissene die Wunde behandelt, die Narbe bleibt“). Inhalt des Sprichwortes ist die Tatsache, dass bei langanhaltender öffentlicher Diffamierung, auch wenn diese völlig haltlos erfolgt, immer ein schlechtes Bild der diffamierten Person in der Öffentlichkeit zurückbleibt.
  • Über die drakonischen Gesetze sprechend, diese seien mit „Blut und nicht mit Tinte geschrieben“
  • Der Geist ist kein Schiff, das man beladen kann, sondern ein Feuer, das man entfachen muss.
  • Als die samischen Gesandten eine weitläufige Rede hielten, sagten die Spartaner: „Das Erste haben wir vergessen und das Letzte nicht verstanden, weil wir inzwischen das Erste vergessen hatten.“

Literatur

  • Judith Mossman (Hrsg.): Plutarch and His Intellectual World. Duckworth, London 1997. ISBN 0-7156-2778-3
  • Konrat Ziegler: Plutarchos von Chaironeia. 2. Aufl. Druckenmüller, Stuttgart 1964 (ursprünglich Artikel im Pauly-Wissowa).
  • Heftner, Herbert: Plutarch und der Aufstieg des Pompeius: Ein historischer Kommentar zu Plutarchs Pompeiusvita Teil I, Kap. 1-45, Frankfurt/Main 1995 (Europäische Hochschulschriften Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften Bd./Vol.639). ISBN: 3-631-47735-X / 363147735X
  • Weber, Hans: Die Staats- und Rechtslehre Plutarchs von Chaironeia, Bonn 1959 (Schriften zur Rechtslehre und Politik Bd. 16). ASIN: B0000BP6FZ
  • Ziegler, Konrat, Art. Plutarchos, in: Der Kleine Pauly, Band 4, hrsg. v. Ziegler, Konrat, Göttingen 1972, Sp. 945-953.
  • Hünemörder, Christian, Art. Plutarchos, in: Der Neue Pauly, Band 9, hrsg. v. Cancik, Hubert und Schneider, Helmuth, Stuttgart 2000 , Sp.1159-1175.
  • Plutarch , Alexander, Reclam, Ditzingen 1980, ISBN: 3150024951
  • Plutarch , Die Kunst zu leben, Insel, Frankfurt, 2000, ISBN 3458343032

etwa 80 im weitesten Sinne philosophische Schriften (Moralia), vor allem zur Ethik, aber auch zu naturwissenschaftlichen und religiösen Themen, teilweise in Form von platonischen Dialogen.
Konrat Ziegler (Hrsg.): Große Griechen und Römer. 6 Bde. Zürich 1954. (Bibliothek der alten Welt) Zahlreiche Nachdrucke.

Plutarch , Bíoi parálleloi (Vitae parallelae)

Griechischer Text

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