Hermagoras von Temnos

Hermagoras von Temnos war ein bedeutender griechischer Redelehrer aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Seine Heimat Temnos (bei Pergamon) bezeugt der Geograph Strabon von Amasaia am Pontus.

Sein 6 Bücher umfassendes Werk über Rhetorik mit dem Titel "téchnai rhetoricaí" wurde wegen seiner übersichtlichen systematischen Ordnung das grundlegende Buch des rhetorischen Unterrichts in der römischen Republik. Das Werk ist zwar verloren, kann aber aus Cicero, De inventione und aus Quintilian, Institutio oratoria weithin rekonstruiert werden. Hermagoras stellt die Beredsamkeit in den Dienst des staatlichen Zusammenlebens der Menschen, weshalb die Gerichtsreden bei ihm im Vordergrund stehen. Er begründet dafür die Thesislehre (zugrunde liegender allgemeiner Rechtsfall) und die Stasislehre (mögliche Fragestellungen für Anklage oder Verteidigung).

Überliefert sind auch 5 vom Redner geforderte Qualitäten:

  • eine gute Spürnase
  • Ordnungssinn
  • ein anspruchsvoller Stil
  • ein gutes Gedächtnis
  • ein ausdrucksstarker Vortrag

Cicero in seiner Schift "Brutus" und Tacitus, Dialogus de oratoribus hielten das Werk des Hermagoras für ungewöhnlich langweilig und strohdürr. Das ändert nichts an der Tatsache, dass der Einfluß des Hermagoras auf die bald danach einsetzende römische Rhetorik überaus groß war.

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