Epikur

Epikur, Zeichnung einer Römischen Kopie eines Vorbilds um 270 v. Chr. New York, Metropolitan Museum Inv. 11.90 Rogers Fund

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Epikur (griechisch Ἐπίκουρος, Epíkouros; * um 341 v. Chr. auf Samos, † um 270 v. Chr. in Athen) war griechischer Philosoph. Er gilt als Begründer des Epikureismus, auch Kepos (Garten) genannt nach dem Garten, in dem Epikur seine Schüler und Anhänger um sich versammelte.

Biographie

Epikur wurde 341 v. Chr. auf der ägäischen Insel Samos geboren. Sein Vater Neokles war als Kolonist (Kleruch) von Athen nach Samos umgesiedelt worden, wo er als Elementarlehrer und Landwirt nur ein geringes Einkommen fand. Seine Mutter Chairestrate zog - vermutlich in Begleitung ihres jungen Sohnes - als Exorzistin über die Insel, um böse Geister auszutreiben.

Wenn also Sokrates von sich sagte, er sei in die Fußstapfen seiner Mutter (einer Hebamme) getreten, da er helfe, die Erkenntnis zur Welt zu bringen, hätte Epikur mit demselben Recht von sich sagen können, er trete in die Fußstapfen seiner Mutter, indem er den Menschen die bösen Geister vertreibe. Vermutlich ist dies mit eine von vielen von den Stoikern erfundenen Anekdoten, um die Lehre Epikurs herabzuwürdigen. Und sollte diese Geschichte stimmen, so musste Epikur in dieser Zeit eine starke Abneigung gegen Aberglauben jeglicher Art entwickelt haben, denn seine Lehre hat einen absolut aufklärerischen Ansatz.


Schon als 14-Jähriger fand Epikur zur Philosophie. Es heißt, sein Lehrer habe ihm das Chaos bei Hesiod nicht erklären können und ihn auf die Philosophen verwiesen. Der Platoniker Pamphiles und der Demokriteer Nausiphanes waren seine ersten Lehrer. Jedoch machte Pamphiles keinen besonders guten Eindruck auf Epikur, da er sich vor allem durch seine sophistische Prahlerei hervortat. Seitdem lehnte Epikur die Rhetorik ab, da sie sich als Bildungsdünkel ausgab oder eben der sophistischen Prahlerei diente. Nachhaltiger sah sich Epikur allerdings auf den Atomismus des Demokrit verwiesen, den er sich aneignete. Von Nausiphanes wurde er vermutlich auch mit der Lebenseinstellung der aufkommenden hellenistischen Philosophie bekannt gemacht.

Mit 18 Jahren kam Epikur nach Athen, wo er als Ephebe eine zweijährige Übungszeit im Gymnasium zur militärischen Ausbildung absolvierte, die durch die Mündigkeitserklärung und Aufnahme in die Bürgerliste abgeschlossen wurde. In Athen herrschte zu dieser Zeit die Philosophie Platons vor, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein Greis war.

Epikur hatte gerade seine Zeit als Ephebe beendet, als 323 v. Chr. Alexander der Große starb und Athen versuchte, sich von der makedonischen Herrschaft zu befreien. Sie erlitten jedoch bei diesem Aufstand eine schwere Niederlage, in deren Folge auch Neokles, Epikurs Vater, als athenischer Kolonist seinen Besitz auf Samos an die makedonischen Besatzer unter Perdikkas verlor. Neokles floh nach Kolophon bei Ephesos ins Exil, wohin Epikur seinem Vater bald nachfolgte. Die Mutterstadt Athen wäre allerdings der eigentliche Zufluchtsort der Vertriebenen gewesen. Als 319 v. Chr. Samos an Athen zurückgegeben wurde, erhielt Neokles eine finanzielle Entschädigung für den Verlust seines Grundstücks.

Über die nächsten Jahre fehlt uns jegliche Kunde über Epikur. Vielleicht war er 311-306 v. Chr. Lehrer der Philosophie zuerst in Mytilene auf Lesbos, später in Lampsakos am Hellespont. In dieser Zeit könnte er mit Metrodor, dessen Bruder Timokrates, Idomeneus, Leonteus und dessen Frau Themista, Kolotes und Polyainos seine treuesten Jünger gewonnen haben. Im Jahre 306 v. Chr. zog Epikur nach Athen, wo nach dem Sturz des Demetrius von Phaleron die Demokratie wieder aufzuleben schien. Dort erwarb er für 80 Minen jenen Garten, in dem er seine Schule gründete, der seinen aus Menschen aller Gesellschaftsschichten stammenden Anhängern als Versammlungsort diente und wo er mit den Schülern, die teilweise von weither zu ihm kamen, nach Art einer 'Kommune' oder eines weltlichen Klosters ohne individuellen persönlichen Besitz lebte. Im scharfen Gegensatz zu den herrschenden Sitten nahm er auch Ehepaare, Frauen (Hetären) und Sklaven als Schüler bei seinen Symposien auf.

Etwa 40 Jahre lang blieb Epikur der geistige Mittelpunkt des Gartens. Seine Schule musste vermutlich stets um ihre Existenz kämpfen, eine quasi klösterlich arme Gesellschaft ist sie immer geblieben, zumal sie den Griff nach Macht und Reichtum strikt ablehnte und daher - von Ausnahmen abgesehen - nur schwer Zugang zu den Reichen und Mächtigen fand. Dennoch hielt sich der Kepos, zuletzt noch von dem Stoiker Marcus Aurelius als Gegengewicht zum aufkommenden Christentum gefördert, bis in das 3. - 4. Jahrhundert hinein.

Die den Epikureern vielfach nachgesagten Schwelgerei und sonstigen Exzesse lassen sich nicht verifizieren. Sie widersprächen auch mit großer Deutlichkeit der Lehre Epikurs, der seine Gäste am Eingang des Gartens mit folgender Inschrift begrüßte:

Tritt ein, Fremder! Ein freundlicher Gastgeber wartet dir auf mit Brot und mit Wasser im Überfluss, denn hier werden deine Begierden nicht gereizt, sondern gestillt.

Die sinnlichen Begierden, deren Berechtigung grundsätzlich akzeptiert wurden, sollten sich auf die kleinen, leicht erreichbaren Freuden richten: Schicke mir ein Stück Käse, damit ich einmal gut essen kann.

Nichts ist aber wichtiger als die Freundschaft: "Von allem, was die Weisheit für die Glückseligkeit des Lebens bereitstellt, ist das weitaus größte der Erwerb der Freundschaft." Sie scheint nicht nur ein Wert an sich, sondern auch ein notwendiger Schutzschild Epikurs und seiner Schüler gegen durchaus zu erwartende Anfeindungen gewesen zu sein.

Epikur, von den Gegnern seiner Philosophie später als 'das große Schwein' bezeichnet, traf mit seiner persönlichen Lebensführung bei seinen Zeitgenossen und auch späteren Biographen nie auf Kritik. Umso verhasster wurde seine Lehre mit der Erstarkung des Christentums, da er jegliches Eingreifen von Göttern in den Lauf der Welt, jede Furcht vor göttlicher Strafe und jede Hoffnung auf göttlichen Lohn zu finsterem Aberglauben erklärte. Die Philosophie Epikurs wurde daher vom Christentum erbittert verfolgt und schließlich völlig unterdrückt.

Epikurs Lehre (Zusammenfassung)

Epikurs Lehre ist ein System von größter methodischer Konsequenz und innerer Geschlossenheit. Epikur unterscheidet in ihr drei Bereiche: Kanonik (Erkenntnislehre), Physik und Ethik. Die drei Teile bilden eine Einheit: Ihr Zentrum ist die Ethik - die Lehre von dem zum Glück führenden Verhalten. Epikurs ethische Normen entstammen dem Diesseits. Das naturgemäße Lebensziel des Menschen ist das Wohlbefinden, verstanden als Grundgefühl körperlicher Intaktheit und Gesundheit. Angestrebt wird Lust, verstanden als Wunscherfüllung des Menschen, wobei geistige Lust der banalen körperlichen vorzuziehen ist, siehe epikureisches Schwein. Dies kann aber nur geschaffen werden, wenn der Platz des Menschen in der Welt bestimmt ist. Da der Mensch ein Teil der Natur ist, muss sich die Ethik auf die Physik (das heißt die Atomlehre) stützen, die die Lehre vom Menschen enthält. Der Ausarbeitung der Physik muss wiederum die Erforschung der Erkenntnis vorangehen.

Aus Epikurs Lehre ergibt sich eine freudige Diesseitigkeit und Lebensbejahung. Jede damals bekannte Form eines Unsterblichkeitsglaubens, jede Beschäftigung mit dem Tode und der Götterglaube des Volkes werden entschieden als dem Leben des Weisen unangemessen abgelehnt. Dennoch war Epikur letztlich kein Atheist. Er erkannte Götter an, die in den Intermundien (Zwischenwelten, "Die Götter haben sich zwischen die Atome zurückgezogen") lebten, dort auf das Leben der Menschen jedoch keinen Einfluss hätten. Weder für Weltentstehung noch Weltlenkung besäßen sie Bedeutung, da sie sich in ihrer Vollkommenheit gänzlich selbst genügten. Ein weiterer Grund für eher halbherzige Anerkennung der Götter, war wahrscheinlich die Befürchtung, seine Lehre nicht mehr verbreiten zu können, da er bei deren Leugnung so enden könnte, wie Sokrates vor ihm. Am ehesten könnte man Epikur als Agnostiker bezeichnen.

Epikur in der Schule von Athen (englisch)

Quellen

Vom umfangreichen Schaffen Epikurs (mindestens 40 Bücher, möglicherweise erheblich mehr) sind nur noch Fragmente erhalten:

  • Brief an Menoikeus (Text in deutscher Übersetzung)
  • Brief an Heraklit
  • Spruchsammlungen
  • Aphorismen

Daher stützt sich die Rekonstruktion seiner Lehre vor allem auf Texte seiner Anhänger (Lukrez, Horaz, Plinius der Jüngere), sowie seiner Gegner (Cicero und Seneca). Wichtige Quellen über Epikur und seine Lehre sind:

  • Diogenes Laertios, De vitis et dogmatibus clarorum philosophorum, Buch X (Leben und Meinungen berühmter Philosophen, in welchem unter anderem die oben genannten Briefe und der umstrittene Brief an Pythokles sich befinden
  • Lukrez: De rerum natura (Ein Lehrgedicht, in welchem die Naturphilosophie Epikurs authentisch dargestellt sein soll)
  • Marcus Tullius Cicero: De natura deorum ("Vom Wesen der Götter"); De finibus bonorum et malorum ("Über das höchste Gut und das größte Übel"); De fato ("Über das Fatum")
  • Plutarch: Placita philosophorum, Contra Colotem.
  • Diogenes von Oinoanda, der Verfasser einer umfangreichen Inschrift, in der die Lehre Epikurs dargestellt wird.

Erkenntnistheorie: Epikurs atomistischer Materialismus

Epikur übernimmt Demokrits atomistische Lehre und entwickelt sie weiter. Mit ihrer Hilfe erklärt Epikur die Entstehung und Existenz der Welt auf rein materialistische Weise, das heißt ohne spirituelle, mystische oder religiöse Elemente, mit Hilfe kleinster, unzerstörbarer, ewig bestehender Atome und deren Bewegung.

Epikurs Naturphilosophie liefert ihm die entscheidende theoretische Begründung seines ethischen Ideals. Dieser elementare Zusammenhang Naturphilosophie (Weltbild) und darauf aufbauender Ethik wurde unter anderem von Karl Marx in seiner Dissertation "Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie" untersucht.

Nach Epikur entsteht nichts aus Nichts und nichts kann zu Nichts vergehen. Voraussetzung dafür ist ein ewiger und unwandelbarer Grundstoff, aus dem alle Dinge entstehen und in den sie wieder zurückgehen. Dies sind die letzten unteilbaren Einheiten, die Atome. Sie sind unsichtbar und haben als Eigenschaft Größe, Gestalt und Schwere. Die Anzahl der Atomformen ist begrenzt, ebenso die Anzahl der aufgrund dieser Atomformen möglichen Kombinationen.

Alle möglichen Kombinationen aber müssen in der verflossenen zeitlichen Unendlichkeit unendlich oft realisiert worden sein, so dass die Aufteilung des unendlichen Atomreservoirs an die möglichen Kombinationen eine gleichmäßige ist. Der neben den Atomen die Welt konstituierende, real existierende leere Raum ist unkörperlich. In ihm bewegen sich die Atome. Bewegung ist ihre Daseinsweise und unabdingbare Eigenschaft. Epikur bestimmte den senkrechten Fall als die grundlegende, naturgemäße Urform der Bewegung.

Aber wie sollte es in Anbetracht der wohlgeordneten regulär-linearen Fallbewegung zur Bildung von Atomverbindungen kommen? Infolge einer Abweichung der Atome von der Senkrechten um ein Minimum kommt es nach Epikur zu den verschiedenen Bewegungsformen, die aus dem Zusammenprall und der folgenden Repulsion der Atome hervorgehen.

Diese Abweichung der Atome ist die Ursache der Weltenbildungen, zugleich soll sie die Willensfreiheit des Menschen erklären. In der Erkenntnistheorie vertritt Epikur im Wesentlichen die Abbildtheorie. Im Gegensatz zu Demokrit sieht Epikur die Sinnesempfindungen nicht als zweitrangig an. Da die Wahrnehmung das einzige Wahrheitskriterium ist, ist sie auch das Kriterium für die Schlussfolgerungen über solche Dinge, die nicht unmittelbar wahrgenommen werden, wenn nur diese Schlussfolgerungen nicht im Widerspruch zu den Angaben der Wahrnehmung stehen. Deshalb ist die logische Folgerichtigkeit eine wichtige Bedingung der Wahrheit.

Epikurs Ethik

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Die Lust als oberstes Prinzip

Für Epikur lag das Ziel des Lebens in der Lust. Alles, was man im Leben tue, solle mit und aus Lust als Motivation getan werden. Allerdings darf hier Lust nicht im Sinne des Hedonismus der Kyrenaiker, also der oberflächlichen sinnlichen Lust, verstanden werden. Epikur geht es um eine tiefere und länger anhaltende Form der Lust, die Eudämonie (Glück, Glückseligkeit, Gutgeistigkeit). Sie wird laut Epikur nicht durch den Konsum oberflächlicher Genüsse erreicht, sondern durch Erkenntnis, Gleichmut, Selbstdisziplin und Freiheit von Affekten: Ataraxie (Unerschütterlichkeit, heitere Seelenruhe).

Epikur unterscheidet zwischen kinetischer und katastematischer Lust/Freude. Die kinetische Lust (Grundbedürfnisse, Sexualität, ..) ist hierbei Voraussetzung, darf aber nicht exzessiv gelebt werden. Wirklich erstrebenswert und als Ziel gültig ist hingegen nur die letztere, die Freude von innen heraus, die Eudämonie.

Interpretationen, die Epikurs Lehre als die eines genussgierigen Lebemannes darstellen wollen, sind also Fehlinterpretationen (siehe dazu weiter unten).

Die Überwindung von Schmerz und Angst als Voraussetzung der Glückseligkeit

Eine unabdingbare Voraussetzung, um zur Glückseligkeit zu gelangen, ist für Epikur die Abwesenheit von Schmerz und die Überwindung der Angst, insbesondere der Angst vor dem Tod, die allen dauerhaften Genuss verhindere.

Auf seinem Atomismus aufbauend, lehrte Epikur, dass der Mensch den Tod nicht zu fürchten brauche. Denn solange der Mensch lebe, sei der Tod noch fern, und wenn der Mensch tot sei, so zerfalle er wieder in Atome. In diesem Zustand könne er jedoch keinerlei Schmerz empfinden. Da der Mensch aufgehört habe, zu existieren, habe er gar keine Empfindungen mehr. Daher könne man auch nichts Unangenehmes erleben.

Auch von den Göttern habe der Mensch nichts zu befürchten; sie seien selige Wesen, die sich ihres Daseins erfreuten und die sich nicht um die Welt der Menschen kümmerten. So war das "Theodizee-Problem" kein Problem für die Lehre Epikurs; er dürfte es als Einwand vor allem gegen die Lehren der Stoiker formuliert haben.

Der Rückzug auf das private Glück im kleinen Kreis

Der bekannteste Wahlspruch Epikurs lautet: λάθε βιώσας ("láthe bíôsas / Lebe im Verborgenen!"). Epikur empfahl, sich von den Wirren und Aufregungen des öffentlichen Lebens, der Politik fernzuhalten und das Glück im engen Kreis zu finden. In der griechischen Polis, in der jeder Bürger am öffentlichen Leben teilhaben musste, und in einer Zeit, in der das Konzept des Privatlebens oder der Privatsphäre noch nicht erfunden war, musste dies als asozial gelten - die zunehmende Akzeptanz der Lehren Epikurs im 4. und 3. Jh. kann somit als ein Symptom des Zerfalls der klassischen Polis-Ordnung verstanden werden. Im Gegensatz zu den Kynikern lehrte Epikur jedoch nicht die völlige Isolation als Weg zum Glück. Der Mensch solle sehr wohl soziale Kontakte haben, aber eben nur mit gut ausgewählten Freunden. Epikur lebte diese "Heiterkeit im kleinen Kreis" auch persönlich.

Die vier Heilmittel

Epikur selbst verfasste vermutlich für seine Schüler zum Auswendiglernen die so genannten "Vier Heilmittel", die seine ethische Lehre in aller Kürze zusammenfassen:

Immer sollen dir die vier Heilmittel zur Hand sein:

  • Vor der Gottheit brauchen wir keine Angst zu haben.
  • Der Tod bedeutet Empfindungslosigkeit.
  • Das Gute ist leicht zu beschaffen.
  • Das Schlimme ist leicht zu ertragen.

Weitere Lehrsätze

  • Ich habe mich nie bemüht, den Leuten zu gefallen. Was ihnen gefiel, habe ich nicht gelernt, und was ich mir angeeignet habe, gefiel ihnen nicht.
  • Der Weise bewundert die Natur und das Wesen der Götter. Er versucht, sich ihnen anzunähern und strebt danach, sie gleichsam zu berühren und mit ihnen zusammenzusein. Auch nennt man die Weisen Freunde der Götter und die Götter Freunde der Weisen.
  • Das Glückselige und Unvergängliche sorgt sich nicht, noch bereitet es Sorgen. Es hat weder mit Zorn noch mit Gunst zu schaffen, denn all das ist Schwäche.
  • Man kann sich in den wichtigsten Punkten nicht von der Angst befreien, so lange man die Beschaffenheit der Welt nicht versteht und sich von Mythen beunruhigen lässt. Daher ist es nicht möglich, ohne Naturkenntnis zum ungetrübten Glück zu gelangen.
  • Wenn Götter die Gebete der Menschen erhören würden, wäre die Menschheit längst zugrundegegangen, da sie fortwährend allerlei Schlimmes gegeneinander erbittet.
  • Leer ist die Rede eines Philosophen, durch die keine Leidenschaft geheilt wird, denn wie Medizin nichts nützt, wenn sie nicht die Krankheiten aus dem Körper treibt, so nützt auch die Philosophie nichts, wenn sie nicht die Leidenschaften aus der Seele treibt.
  • Wenn du sämtliche Sinneseindrücke für falsch erklärst, so hast du kein Argument, auf das du dich berufen kann, um deren Richtigkeit zu bestreiten.
  • Das weitaus Größte von allem, was die Weisheit zur Glückseligkeit des Lebens bereitstellt, ist die Freundschaft.
  • Denn ohne Freundschaft ist das Leben wie das Fressen von Löwe und Wolf.
  • Der Weise lebt nicht wie ein Kyniker und bettelt nicht.
  • Übe dich im Sterben.
  • Der Schmerz auf Grund eines Mangels ist viel gelinder als derjenige, der aus Übersättigung entsteht.
  • Wem das Seine nicht ausreicht, der ist arm, und wenn er der Herr der Welt wäre.
  • Der Weise hat immer mehr Dinge, die er will, als solche, die er haben will.
  • Wer am wenigsten des Morgen bedarf, geht am heitersten dem Morgen entgegen.
  • Die Grenze des Leidens ist das Untergehen, Sichauflösen und Nichtmehrsein.
  • Es gibt keine Gerechtigkeit schlechthin. Sie ist vielmehr ein im sozialen Umgang wo und wann auch immer geschlossener Vertrag, weder zu schädigen noch sich schädigen zu lassen.
  • Bezogen auf ein Gemeinwesen ist die Gerechtigkeit für alle dieselbe. In verschiedenen Ländern oder unter sonst verschiedenen Bedingungen gilt jedoch nicht ein und dasselbe für gerecht.
  • Wenn sich etwas, das für gerecht gehalten wird, den Bedürfnissen der Gemeinschaft als tatsächlich zuträglich erweist, so bekommt es den Rang der Gerechtigkeit.
  • Erlässt aber jemand ein Gesetz, das der Gemeinschaft nicht zuträglich ist, so hat es nicht die Natur der Gerechtigkeit.
  • Und wenn die Zuträglichkeit dessen, was eine Zeitlang der Vorstellung von Gerechtigkeit entsprach, sich ändert, so war es nach Erkenntnis derjenigen, die sich nicht durch Geschwätz verwirren lassen, sondern auf die Tatsachen sehen, in jener Zeit dennoch gerecht, als es der Gemeinschaft der Bürger noch zuträglich war; später aber, wenn es nicht mehr zuträglich ist, so ist es nicht mehr gerecht.
  • Der Weise pflegt seine Diener nicht zu züchtigen, sondern er hat Mitgefühl mit ihnen und verzeiht dem Tüchtigen.
  • Die politische Tätigkeit sollst du fliehen als einen Ruin der Glückseligkeit.
  • Lebe im Verborgenen!
  • Wer Brot und Wasser hat, darf sich mit Zeus an Glückseligkeit messen.
  • Der Tod geht uns nichts an, denn entweder ist der Tod da, dann sind wir nicht da, oder wir sind da, dann ist der Tod nicht da.

Epikur im Vergleich

Epikur im sehr verkürzten Vergleich mit anderen antiken Philosophien:


Heraklit:

Alles ist in stetiger Veränderung: wir steigen nicht zweimal in denselben Fluss. Der göttliche Geist erleuchtet die Welt punktuell: das All durchwaltet der Blitz [des Zeus]. Die Seele des Menschen ist dem stetigen Wandel ohne Willensfreiheit unterworfen; sie lebt in anderen Körpern weiter. Urgrund der Welt ist das Feuer.

Epikur im Vergleich:

Alles ist in stetiger Veränderung - außer dem Raum und den Elementarteilchen, die die Umgestaltung bewirken. Die Götter erleuchten den Menschen nur durch ihre vorbildhafte Existenz und nehmen sonst keinerlei Einfluss. Die Elementarteilchen und damit auch der Mensch, der aus solcher Materie besteht, hat die Freiheit der Willkür. Die Seele überlebt den Körper nicht. Das Feuer als Urgrund allen Seins ist eine lächerliche Vorstellung.

Platon:

Die Erscheinungen sind nur Abbilder des einzig Wirklichen. Einzig wirklich und wahr sind die Urbilder (Ideen); sie sind unveränderlich, ewig und göttlich. Ziel des Weisen ist es, nach dem Wahren, Guten und Schönen zu streben. Das bedeutet u.a., dass er dem Staat dient und die Guten und Schönen liebt.

Epikur im Vergleich:

Die Realität erschöpft sich in den Elementarteilchen, ihren permanenten Bewegungen und Umgruppierungen und dem leeren Raum. Ideen sind haltlose Meinungen. Ziel des Weisen ist die Glückseligkeit. Das bedeutet u.a., im Stillen zu leben, nicht nach der Macht zu greifen und sich mit Freunden und Freundinnen zu umgeben.


Aristoteles:

Der Mensch ist in der Lage, die Realität mit seinen Sinnen und mit der Vernunft, die die gesammelten Sinneneindrücke prüft und vergleicht, zu erfassen. Die Materie als solche hat keine Realität. Sie erhält sie nur durch die Form, die ihrerseits vom Göttlichen kommt. Der Wille des Menschen ist teilweise frei. Durch die ihm vom Göttlichen verliehene 'Form' (Charakter) fällt jedoch die grundsätzliche Entscheidung über Gut und Böse, und insofern ist er unfrei.

Epikur im Vergleich:

Die Erkenntnistheorie ist dieselbe, jedoch sind die hinsichtlich der Beschaffenheit der Welt gezogenen Schlüsse von denen des Aristoteles grundverschieden. Die kleinsten Teilchen der Materie schaffen nach eigenem Willen, selbst geschaffenen Regeln und nach Willkür alle Formen. Der Wille des Menschen ist frei. Es gibt kein Gut und Böse und keine Prädestination, sondern nur Verhaltensweisen, die sich im Hinblick auf das Glück lohnen oder rächen.

Stoiker:

griechische Stoiker (Zenon): Der Logos permatikos (schöpferische vernunft) ist der unzerstörbare Kern des Universums. Der Mensch hat Teil an ihm. Der Logos durchwaltet alles Geschehen; niemand außer den Göttern entzieht sich ihm. Je mehr der Mensch sich ihm hingibt, umso unruhiger ist sein Leben. Er soll sich daher ruhig verhalten und seine Leidenschaften zügeln, um möglichst wenig zu leiden (Ataraxia). Andererseits aber ist der Logos Ursprung eines göttlichen Plans, dem sich kein Mensch entzieht. Hieraus folgt, dass der Mensch sein Schicksal erdulden soll.

römische Stoiker (Seneca, Marcus Aurelius): Hinzu kommt das typisch römische Ideal der 'Virtus'. Sie erfordert, dass sich der Mensch pflichtbewusst den Anforderungen des Staates stellt.

Epikur im Vergleich:

Der Mensch als Teil der Materie hat Anteil an ihren Begierden. Je mehr er diesen Begierden nachgibt, umso unglücklicher ist sein Leben. Der Weise soll sich daher ruhig verhalten und seine Leidenschaften zügeln, um möglichst wenig zu leiden und möglichst viel Glück zu empfinden (Ataraxia). Das Weltgeschehen verläuft nicht planmäßig, sondern ist von vielerlei Zufällen geprägt; und es gibt keinen göttlichen Plan/Logos. Wer sich in Staatsgeschäfte mischt (wie Seneca), ruiniert unvernünftigerweise sein Glück. Wer Kriege führt (wie Marc Aurel), ruiniert unvernünftigerweise sein Glück und das der anderen.

Wirkungsgeschichte

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Einfluss Epikurs in der Römischen Antike

Als Folge des Wirkens von Epikur und seiner Schule blieb die materialistische Philosophie nicht nur in der Zeit des Hellenismus erhalten, sondern seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. auch in Rom, wo er bis zum 2. Jahrhundert großen Einfluss hatte. In einer der größten Dichtungen der Antike hat Lukrez in seinem Lehrgedicht "Von der Natur der Dinge" den Epikureismus in seiner anschaulichen und bilderreichen Sprache dargestellt und popularisiert. Auch der Dichter Horaz vertrat den Epikureismus. Soweit in der römischen Antike atheistische Positionen vertreten wurden, bezogen sie sich meist auf Epikur.

Verfremdung Epikurs im Mittelalter und Einfluss auf Denker der Neuzeit

Epikurs Lehre wurde später zum Hedonismus vergröbert und verfälscht. Dies und zahlreiche unzutreffende Unterstellungen seiner Gegner führten dazu, dass Epikur bis in die Neuzeit verpönt war. In christlicher Zeit galt er als der Antichrist schlechthin. Noch Dante Alighieri lässt Epikur in seiner "Göttlichen Komödie" (1307–1321) als „Erzketzer“ im 6. Kreis der Hölle in einem weißglühenden Eisensarg brennen. Heute ist die Forschung bemüht, das verfälschte Bild Epikurs vom historischen Epikur zu trennen.

Gab es schon im Mittelalter entsprechende Ansätze, so wurde im 17. Jahrhundert die Atomistik Epikurs von Galileo Galilei, Pierre Gassendi, Robert Boyle, Christian Huygens, Isaac Newton, John Dalton und anderen bewusst aufgegriffen und zu einem wichtigen Element der Herausbildung der materialistischen Philosophie der Bürgertums erhoben. Die Dissertation von Karl Marx (v. 1841) befasst sich mit der Physik Epikurs.

Ebenso hat die epikureische Ethik und Gesellschafttheorie einen beachtlichen Einfluss auf das philosophische Denken der Neuzeit ausgeübt. Bei Thomas Hobbes, Samuel Pufendorf und anderen wird die epikureische Lehre vom Gesellschaftvertrag zur Grundlage der gesamten modernen Staatstheorie. Denn bei Epikur findet sich "zuerst die Vorstellung ..., dass der Staat auf einem gegenseitigen Vertrage der Menschen, einem contract social ...beruhe" (Karl Marx).

Literatur

  • Carl-Friedrich Geyer: Epikur zur Einführung, Hamburg: Junius, 2000, ISBN 388506328X
  • Epikur, Briefe, Sprüche, Werkfragmente; übersetzt und herausgegeben von Hans-Wolfgang Krautz, Reclam, Stuttgart 1980, ISBN 3150099846 (griechischer Text, deutsche Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort).
  • Hossenfelder, Malte: Epikur, C.H. Beck, 1998, ISBN 340643620X
  • Epikur, Philosophie der Freude, Kröner Verlag 1973 ISBN 3520198053 (Eine Auswahl aus seinen Schriften. Übersetzt, erläutert und eingeleitet von Johannes Mewaldt)

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