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Diogenes von Oinoanda ist der Autor einer umfangreichen Inschrift, die an der Rückwand einer Säulenhalle an der Agora der Stadt Oinoanda in Lykien (Kleinasien) angebracht worden und nur in Fragmenten erhalten geblieben ist. Im Originalzustand erstreckte sie sich über mindestens 40 m und umfasste mehr als 120 Textspalten; damit war sie ein in ihrer Art einzigartiges Denkmal. Die Inschrift wird meist auf das Ende des 2. Jahrhunderts n. Chr. datiert, nach neueren Forschungen käme aber auch schon das erste Viertel des 2. Jahrhunderts (Lit.: so Smith) oder sogar die Zeitenwende um Christi Geburt (Lit.: so Smith/Canfora) in Frage. Über ihren Verfasser ist sonst nichts bekannt. Möglicherweise ist er identisch mit einem gewissen Flavianus Diogenes, einem römischen Bürger aus Oinoanda, der aus anderen Inschriften bekannt ist. Außerdem gibt es die Vermutung, dass Diogenes von Oinoanda mit dem Autor Diogenes Laertios identisch sein könnte.
Inhalt der Inschrift Die Inschrift, die so angebracht war, dass Vorübergehende sie leicht lesen konnten, umfasste in etwa folgende Texte (die genaue Zuweisung der erhaltenen Fragmente ist teils umstritten):
Zusammen bildeten diese Texte einen vielfältigen und überaus lebendigen Abriss der Lehre Epikurs. Schicksal und Bedeutung der Inschrift Die Säulenhalle wurde später jedoch zerstört, vermutlich von einem Erdbeben 140/141 n. Chr.; die Reste der Inschrift wurden bei der Neuerrichtung der Agora verbaut. So sind lediglich 212, teils größere Fragmente der Inschrift erhalten, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von französischen, deutschen und österreichischen Forschern entdeckt und erstmalig publiziert worden – gewisse Teilbereiche der Lehre Epikurs, die in der Inschrift behandelt gewesen sein müssen, sind in den erhaltenen Fragmenten jedoch unterrepräsentiert (z. B. die Physik). Die Inschrift zeigt, dass ihr Verfasser ein begeisterter Anhänger der Lehre Epikurs war, der im hohen Alter dafür sorgen wollte, dass diese Philosophie möglichst vielen Menschen bekannt werde. Diogenes kennt sich offensichtlich in der epikureischen Lehre gut aus; verschiedene Details dieser Doktrin sind einzig in seiner Inschrift überliefert. Folgt man der üblichen späten Datierung, so bildet die Inschrift insgesamt ein bedeutsames Zeugnis dafür, dass der Epikureismus im 2. Jahrhundert n. Chr. noch eine bedeutsame Bewegung darstellte. Aber auch bei einer früheren Datierung ist es zumindest erstaunlich und bewundernswert, wie Diogenes in seinem eher abgelegenen Städtchen ein so immenses Werk zusammenstellen konnte. Die Inschrift stellt wohl den bedeutsamsten aus der Antike bekannten Versuch dar, Philosophie ‚für alle‘ (bzw. für alle, die lesen konnten) zugänglich zu machen, waren geschriebene Bücher doch relativ teuer. In der Einleitung heißt es (Frg. 2 Chilton, col. IV–VI): Außerdem ist es richtig und billig, auch jenen Menschen zu helfen, die nach uns leben werden (gehören doch auch sie zu uns, obwohl sie noch nicht geboren sind), und schließlich gebietet die Menschlichkeit, auch den zu uns kommenden Fremden Hilfe zu gewähren. Da also die Hilfe, welche diese Inschrift leisten soll, eine beträchtliche Zahl von Menschen betrifft, habe ich beschlossen, die hilfreichen Heilmittel [der epikureischen Lehre] allgemein zugänglich zu machen. Literatur Ausgaben und Übersetzungen
Sekundärliteratur
Weblinks Literatur von und über Diogenes von Oinoanda im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
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